"Eine Predigt wird zu meiner Predigt" - Lektorenschulung des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg Barnbrock Fotograf Buettner

"Eine Predigt wird zu meiner Predigt" war am heutigen Samstag das Thema der diesjährigen Lektorenschulung des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), die auch in diesem Jahr in den Räumen der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde „Zum Heiligen Kreuz“ in Berlin-Wilmersdorf stattfand.

Rund fünfzehn Teilnehmer waren zusammengekommen, um sich über eigene Erfahrungen im Dienst in Predigtgottesdiensten, die von Lektorinnen und Lektoren geleitet werden, auszutauschen und neue Impulse für ihre Arbeit zu erhalten. Als Referent war der Koordinator für Lektorenarbeit der SELK, Prof. Dr. Christoph Barnbrock (Oberursel|Foto), angereist. Pfarrer Johann Hillermann (Berlin-Mitte) gestaltete eine Morgenandacht über "Jesus als Lektor". Und Pfarrer Edmund Hohls (Berlin-Wilmersdorf) war für die Organisation und Tagesleitung zuständig. In einer Einheit bearbeiteten die Teilnehmer ganz praktisch eine Lesepredigt und diskutierten miteinander, was in Vorbereitung eines Predigteinsatzes wie bearbeitet werden könne und müsse, und wo die Grenzen solcher Bearbeitungsgänge liegen würden. Deutlich wurde, dass die Lektoren das Bedürfnis haben, dass die ausgewählte Predigt jeweils zu ihnen passt und kein Fremdkörper bleibt.

Es blieb allerdings nicht nur bei der Theorie, sondern in einer Praxiseinheit gab es für einige Teilnehmende die Gelegenheit, beispielhaft einzelne Absätze einer Predigt vorzutragen. Die anderen Teilnehmer und der Referent gaben ihnen daraufhin Feedback zu Verständlichkeit, Gestik und Ausstrahlung. Darüber hinaus konnten auch einige ganz praktische Fragen geklärt werden: Soll der Verfasser einer Lesepredigt genannt werden - und, wenn ja, wann im Gottesdienst? Gibt es noch andere verlässliche Quellen für Lesepredigten als die SELK-Homepage? Was für Tipps gibt es für die Vorbereitung des Predigtvortrags? Die Teilnehmer zogen ein überwiegend positives Fazit der Veranstaltung. Eine nächste Lektorenschulung für den Kirchenbezirk ist für den 5. September 2020, wieder in Berlin-Wilmersdorf, geplant. Prof. Barnbrock hat zugesagt, auch dann wieder als Referent mitzuwirken. Außerdem sind Einheiten mit einem logopädischen Schwerpunkt angedacht. (SN/MB)

Bezirkskonvent Berlin-Brandenburg tagte - 5660 Pfarrkonvent BB 930
Themen Ekklesiologie und neues Gesangbuch

Vom 20. – 22. August 2019 trat der Pfarrkonvent des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zu einem Einkehrkonvent in Hohenselchow-Groß Pinnow zusammen. Nach Begrüßung und Andacht durch Superintendent Peter Brückmann, Berlin-Wedding, wurden die Konventualen umfassend durch ihren leitenden Geistlichen über Beratungsgegenstände des Beirates sowie aus dem Kollegium der Superintendenten informiert. Als Gast zugegen informierte Bischof Hans-Jörg Voigt D.D., Hannover, über die Arbeit der Kirchenleitung (SELK), während die Pfarrer über Herausforderungen aus ihren Gemeinden berichteten.

Nachmittags referierte zunächst Bischof Voigt zum Thema Ekklesiologie (Lehre von der Kirche). Grundlegend wies Voigt auf neutestamentliche Schriftaussagen zur Ekklesiologie hin und markierte die wesentlichen Aussagen zu dieser Thematik in den Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche. „Gleichwohl“, so der Bischof, sei zu fragen, wie mit dem Phänomen umzugehen sei, dass dieses konfessionsgebundene lutherische Kirchenverständnis sowohl bei Gästen als auch Gemeindegliedern teils auf Unverständnis stößt.“ Umgekehrt sei aber auch die Frage zu stellen, wie mit anderen Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften, Kirchgliedern anderer Konfessionen umgegangen werden könne, die der SELK theologische nahe seien, aber eine offizielle Feststellung von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft nicht möglich sei. Voigt stellte nochmals deutlich den Zusammenhang von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft her. „Kirchengemeinschaft ist Abendmahlsgemeinschaft! Abendmahlsgemeinschaft ist Kirchengemeinschaft!“. Der leitende Geistliche der SELK wies darauf hin, dass trotz des mangelnden Verständnisses der Zulassungspraxis der SELK dennoch am Grundsatz von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft festzuhalten sei. Gleichwohl könne ein Pfarrer in seelsorgerlicher Verantwortung schon jetzt handeln, welches auch geschieht. Neben den theologischen Aspekten erinnerte Bischof Voigt daran, dass die SELK eine Minderheitenkirche ist und diese aufgrund eben dieser Vorfindlichkeit zu Erklärungen mehr genötigt sei. „Kognitive Mehrheiten sind frei von Begründungserfordernissen, während Minderheiten ständig angefragt sind!“

Sodann referierte Bischof i.R. Dr. Jobst Schöne, Berlin-Zehlendorf, und stellte seine Sicht auf die Ekklesiologie der SELK teils in sehr persönlichen Anmerkungen den Konventualen vor. Ausgehend von der Studie des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, die den 20 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümern in seiner Studie präsentiert wurden, dürften die Glocken in den christlichen Gotteshäusern Alarm schlagen: Die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen werden sich in den kommenden Jahrzehnten drastisch verringern. Bis zum Jahr 2035 um 22 Prozent. Bis zum Jahr 2060 sogar um 49 Prozent - von nunmehr 44,8 Millionen Mitgliedern auf 22,7 Millionen Mitglieder. Zudem werden die Kirchensteuereinnahmen um etwa die Hälfte einbrechen. Von dieser Entwicklung dürfte auch die SELK betroffen sein. Jedoch scheine seine Kirche weithin diese Entwicklungen nicht zur Kenntnis zu nehmen. Er vermisse eine Unruhe in der SELK über diese Entwicklung zu debattieren. Deutschland werde Missionsland. Nicht nur der demographische Wandel, sondern auch die Austrittsbereitschaft und die steigende Mobilität würden Kirchenaustritte gerade bei 25-35-jährigen begünstigen. Ein laues Christentum fände keine Abnehmer. Es herrsche eine defuse Konsenstheologie und nicht selten seien Trivialbotschaften in Predigten wahrzunehmen, nicht nur in Kirchen der Ökumene. Schöne machte deutlich, dass zwar die Bevölkerungszahl Berlins stetig steige, aber in den Gemeinden kaum Interessierte ankommen. Dies sei im 19. Jahrhundert – gleichfalls in Berlin – anders gewesen. Der Zuzug damals habe dazu geführt, dass aus der Gemeinde Berlin-Mitte heraus, die bis heute existierenden Gemeinden Berlin-Wedding und Berlin-Wilmersdorf entstanden sind.

Der emeritierte Bischof verwies auf einen Aufsatz von Hermann Sasse, Über die Frage nach der Existenzberechtigung und Sendung der unserer Evangelisch-lutherischen Kirche Altpreußens, (in; Hermann Sasse, In statu confessions, Band III, S. 261-274, Göttingen 2011) und ermutigte die Konventualen eben dieses Memorandum zu lesen, da es ihm vorkomme als sei es in unseren Tagen geschrieben. Im Rückgriff auf den Göttinger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Kaufmann forderte Schöne mehr Theologie und forderte eine schonungslose Analyse über den Zustand der Kirche. Er nehme Defizite, Schwächen und verpasste Chancen wahr, die zu Kirchengliederschwund, Traditionsabbruch und Bindungsschwäche geführt hätten. So vermisse er die Vernetzung der Gemeinden in das Gemeinwesen zu Vereinen, Parteien, Kunst und Kultur und sehe kaum eine Präsenz in den Medien. „Gibt es eine Strategie unserer Kirche, wie es weitergehen kann? Worauf konzentriert die SELK ihre finanziellen und personellen Kräfte? Wofür steht die SELK?“, fragt Schöne an. Er wünsche sich eine konfessionsgebundene evangelisch-lutherische Kirche, die theologisch und ethisch klar aufgestellt ist und in der in Gesetz und Evangelium gepredigt werde sowie sowohl die Liturgie als auch die Agende verbindlicher Rahmen sei. Irrlehre gehöre als solche klar und eindeutig benannt. Das Heilige Abendmahl gehöre in das Zentrum der Gemeinden und in die häufige Sakramentsfeier in die Mitte des Gottesdienstes und. Die Beichte sei wieder oft anzubieten. So wünsche er sich, dass die Gemeinden Zufluchtsorte für Verunsicherte werden möchten.

Der zweite Konventstag wurde mit einem Beicht- und Abendmahlsgottesdienst eröffnet, in dem Pfarrer Edmund Hohls, Berlin-Wilmersdorf, die Predigt hielt und Pfarrer Dr. Gottfried Martens D.D. (Berlin-Steglitz) als Liturg fungierte. Der Kantor der Kirchenregion Ost, Georg Mogwitz, Leipzig, begleitete nicht nur die Choräle, sondern führte die Konventualen in das neue Gesangbuch ein, das in der zweiten Jahreshälfte 2020 für die SELK erscheinen soll. Mogwitz stellte mittels einer Graphik den Liedbestand des neuen Gesangbuches vor. Insgesamt sei der Liedbestand gewachsen, wobei 60 % altes Liedgut und 40 % neues Liedgut seien. Die theoretischen Einheiten wurden durch gemeinsames Singen von Liedern und Introiten aufgelockert. Besonders bei den neuen Tönen für die Introiten komme eine Umstellung auf die Gemeinden zu. Vom germanischen Chordialekt werde mit dem neuen Gesangbuch die romanische Melodieform eingeführt.

Nachmittags machten die Konventualen einen Ausflug in das nahe gelegene polnische Szczecin (Stettin). Neben einer zweistündigen Dampferfahrt auf der Oder fand eine Stadtführung durch einen zertifizierten Stadtführer statt, der mit viel Kenntnis die Stadt und ihre Geschichte erläuterte. Der Abend schloss in einem gutbürgerlichen Restaurant in Stettin. Der dritte Konventstag wurde nach der Andacht mit einer homiletischen Besinnung über Lukas 7,36-50 fortgesetzt, bevor sich die Pfarrer rückblickend mit Veranstaltungen des Kirchenbezirks befassten und bevorstehende Ereignisse in den Blick nahmen. Die neue verabredete Arbeitsweise des Konvents, Abläufe optimieren. Leitung stärken. Inhalte fördern. Entlastung ermöglichen, wurde begrüßt und soll auf den folgenden Konventen weiter praktiziert werden. Der Konvent endete mit Gebet und Segen. (MB)

"Fröhlich lutherisch sein" - Pfarrer Dr Martens b komp
Pfarrer Dr. Martens als Referent auf LCMS-Convention

Vom 20. bis zum 25. Juli 2019 fand in Tampa/Florida (USA) die 67. Regular Convention der Lutheran Church-Missouri Synod (LCMS), einer Schwesterkirche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), statt. Die fast 1.000 Delegierten hatten in dieser Zeit ein äußerst umfangreiches Programm zu bewältigen. Nachdem Präses Dr. Matthew Harrison bereits im Vorfeld der Tagung in einer mit elektronischen Mitteln durchgeführten Wahl durch Vertreter aller Gemeinden der LCMS für drei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt worden war, wurde in Tampa der bisherige Präses des Kansas-Distrikts der LCMS, Peter Lange, zum ersten Vize-Präses der Kirche gewählt. Zahlreiche weitere Wahlen wurden durchgeführt.

Auf der Tagung wurde Kirchengemeinschaft mit mehreren europäischen lutherischen Kirchen, mit denen auch die SELK verbunden ist, festgestellt, dazu auch mit der Confessional Lutheran Church of South Africa (CLCSA), deren Bischof Mandla Khumalo ebenso auf der Synode anwesend war wie Bischof Modise Maragelo von der Lutheran Church in Southern Africa (LCSA), einer Schwesterkirche der SELK.

Intensiv befassten sich die Delegierten auch mit der Ausbildung von Pfarrern in der LCMS angesichts eines erkennbar bevorstehenden Pfarrermangels in der Kirche. Mit besonderem Interesse verfolgten sie die bewegenden Berichte aus den weltweiten Missionsfeldern der LCMS. Zahlreiche Kirchenvertreter aus Tochterkirchen der LCMS und aus afrikanischen Partnerkirchen, die eine engere Verbindung zur LCMS suchen, waren in Tampa anwesend.

Die Delegierten befassten sich auch mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. So wandten sie sich dezidiert gegen "die Sünde des Rassismus in all ihren Erscheinungsformen", die "ihre Wurzeln in den Sünden des Hochmuts und der Arroganz" habe und die biblische Wahrheit leugne, "dass die ganze Menschheit ihren gemeinsamen Ursprung in Adam" habe.

Auch die Flüchtlingsfrage wurde in einer Resolution thematisiert: "Die Mitglieder der Synode legen mutig in Übereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis Zeugnis ab gegen eine unmenschliche Behandlung und gegen unmenschliche Einstellungen gegenüber Einwanderern, Kriegsflüchtlingen und Minderheiten." Die Glieder der LCMS werden in den Dokument dazu ermutigt, ihre Berufung wahrzunehmen, "Einwanderer und Fremde als ihre Nächsten wahrzunehmen."

Die Tagung stand unter dem Motto "Joyfully Lutheran" (Fröhlich lutherisch sein). Dieses Thema wurde anhand eines biblischen Leitworts aus dem 1. Thessalonicherbrief (Kapitel 5, Verse 16 bis 18) nach einem Einführungsvortrag in drei Hauptvorträgen entfaltet. Der dritte Hauptvortrag zum Thema "Seid dankbar in allen Dingen" wurde dabei von Pfarrer Dr. Gottfried Martens (Foto|Archiv), Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde der SELK in Berlin-Steglitz, gehalten. Dabei entfaltete er auf dem Hintergrund seiner Arbeit mit geflüchteten Menschen aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan, was es bedeute, mit ganz leeren Händen Gott zu danken. Der einzige Ort, an dem diese Menschen in ihrer Angst vor ihrer Abschiebung in den Tod durch den deutschen Staat uneingeschränkt Gott danken könnten, sei der Gottesdienst, in dem ihnen die Gaben ausgeteilt würden, die ihnen niemand nehmen könne. Martens stellte heraus, was für ein Segen die geflüchteten Menschen für so viele Gemeinden der SELK seien: "Sie stellen uns diese eine Frage: Wie wichtig ist dir Christus, wie wichtig ist dir dein Glaube an Christus? Ist Christus dir so wichtig, dass du dazu bereit wärst, alles für ihn aufzugeben: dein Heimatland, deinen Besitz, deine Gesundheit, dein Leben? Dann hast du in der Tat Grund genug, dankbar zu sein in allen Dingen."

Martens zeigte sich beeindruckt von der Effektivität der Arbeit der Synode, die nicht zuletzt durch den Einsatz elektronischer Abstimmungsmittel erreicht wurde, von der Disziplin in den Diskussionen und von der geistlichen Einmütigkeit unter den Delegierten, die auch bei unterschiedlichen Auffassungen in einzelnen Fragen immer wieder deutlich wurde. "Für die enge geistliche Verbundenheit unserer Kirche mit unserer amerikanischen Schwesterkirche bin ich sehr dankbar", erklärte Martens. (SN/MB)

Gefährdetes Grundrecht auf Religionsfreiheit - Konferenz in den USA mit Beteiligung von Pfarrer Dr. Martens Pfarrer Dr. Martens a

Am 16. und 17. Juli 2019 fand im State Department in Washington, dem Außenministerium der USA, ein "Ministerial to Advance Religious Freedom" statt. Mehr als 1.000 Teilnehmende aus über 130 Ländern, darunter hochrangige Politiker, Vertreter der verschiedensten Religionen, und Mitarbeiter zahlreicher Nichtregierungsorganisationen, die sich auf unterschiedlichste Weise für die Religionsfreiheit in ihren jeweiligen Ländern und darüber hinaus einsetzen, machten dieses Treffen nach Angaben des State Departments zur größten internationalen Versammlung zur Unterstützung der Religionsfreiheit, die es jemals gegeben habe.

Zu den Hauptrednern zählten unter anderem Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses der USA, Tony Blair, der ehemalige britische Premierminister, und der bedeutende islamische Theologe Dr. Shaykh Abdullah Bin Bayyah. Auch Beauftragte für Religionsfreiheit der Regierungen verschiedener Länder kamen zu Wort, darunter auch Markus Grübel, der Beauftragte der deutschen Bundesregierung. Besonders eindrücklich waren die Zeugnisse der Überlebenden religiöser Verfolgung, denen im Programm der Tagung besonders breiter Raum eingeräumt wurde. So berichteten neben vielen anderen die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad und der Sohn des wegen seines Einsatzes für die pakistanische Christin Asia Bibi ermordeten Gouverneurs Salman Taseer in sehr persönlicher Weise von ihrem Einsatz für Religionsfreiheit. Bewegend waren die Zeugnisse von Überlebenden der Anschläge auf eine Synagoge in Pittsburgh/USA, auf eine Moschee in Christchurch/Neuseeland und auf christliche Gottesdienste in Sri Lanka, die alle drei unabhängig voneinander davon erzählten, wie sie den Attentätern vergeben und auf den erfahrenen Hass mit Liebe reagiert haben.

Ziel des Ministerials, zu dem neben den Vorträgen und Podiumsdiskussionen auch zahlreiche Arbeitsgruppen gehörten, war es nach Angabe der Veranstalter, eine weltweite Bewegung zur Unterstützung der Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der UN-Menschenrechtscharta beschrieben ist, in Gang zu setzen und die Teilnehmenden bei ihrem vielfältigen Einsatz für die Religionsfreiheit in ihren Ländern zu ermutigen und miteinander zu vernetzen. Eine solche Bewegung sei angesichts der immer weiter fortschreitenden Einschränkung der Religionsfreiheit in der Mehrzahl der Länder dieser Erde dringend nötig.

Zu den wenigen deutschen Teilnehmern, die zu diesem Symposion eingeladen worden waren, gehörte auch Pfarrer Dr. Gottfried Martens D.D. (Foto|Archiv) von der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde Berlin-Steglitz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), dessen Einsatz für geflüchtete christliche Konvertiten aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan mittlerweile auch weit über die Grenzen Deutschlands hinweg Beachtung gefunden hat. Martens hatte die Möglichkeit, im Rahmen der Konferenz in Reden und Gesprächen auf die Situation Tausender von der Abschiebung bedrohter konvertierter Christen in vielen Ländern Europas, besonders auch in Deutschland, aufmerksam zu machen. Um dieses Thema ging es auch in Gesprächen, die er in Washington unter anderem mit dem Sonderbeauftragten der EU für Religionsfreiheit, Dr. Jan Figel, mit dem Beauftragten der deutschen Bundesregierung, Markus Grübel, und mit Vertretern der US-Regierung führen konnte.

Martens erklärte: "Wenn wir über weltweite Religionsfreiheit reden, darf nicht der Eindruck entstehen, als ob es in Europa selbst keine Probleme mit der Religionsfreiheit gebe. Es ist bezeichnend, dass Jan Figels offizieller Titel Sonderbeauftragter der EU für Religionsfreiheit ,außerhalb der Union' lautet. Doch wenn säkulare europäische Staaten nach oftmals mehr als fragwürdigen Kriterien die Glaubensfestigkeit von christlichen Konvertiten überprüfen und dabei immer wieder in offenem Widerspruch zu den Beurteilungen der Kirchen zu dem Urteil kommen, dass diesen eine Rückkehr zum Islam zuzumuten sei, dann stellt diese Praxis ebenfalls eine massive Verletzung der Religionsfreiheit auch hier in Deutschland und in anderen europäischen Ländern, besonders auch in Skandinavien, dar. Tausende von engagierten Christen müssen mitten in Europa um ihr Leben fürchten, dürfen nicht arbeiten und sind anderen Restriktionen ausgesetzt, weil der Staat, in dem sie leben, ihren Glauben nicht ernstnimmt und sie im Gegenteil, wie hier in Deutschland, immer wieder zu ,Feinden der Bundesrepublik Deutschland' erklärt. Ich habe auch in der internationalen Öffentlichkeit darum geworben, dass diese skandalöse Praxis angesprochen und beseitigt wird."

Bei seinem Vortrag fand Martens besondere Unterstützung von Dabrina Bet-Tamraz, der Tochter assyrischer Christen im Iran, die vom iranischen Regime wegen ihrer missionarischen Tätigkeiten als "Bedrohung der nationalen Sicherheit" zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind. Auch Bet-Tamraz wurde wegen ihres Glaubens verhaftet und als einzige Frau in einem Männergefängnis im Iran gefangen gehalten und sprach bei dem Ministerial ebenfalls als Überlebende religiöser Verfolgung. Heute lebt sie als Asylbewerberin in Europa und hat Kontakt mit vielen anderen christlichen Konvertiten. Deren Abschiebung in ihr muslimisches Heimatland durch die Regierungen europäischer Länder bezeichnete Bet-Tamraz bei dem Ministerial als "herzzerreißend".

"Die Begegnung mit so vielen engagierten Vorkämpfern für die Religionsfreiheit aus ganz verschiedenen Ländern und Religionen war für mich eine beeindruckende und sehr ermutigende Erfahrung", fasst Martens seine Erfahrungen zusammen. "Ich hoffe, dass von diesem Ministerial viele wichtige Impulse für den weltweiten Einsatz für Religionsfreiheit ausgegangen sind - und dass auch das Thema der Glaubensüberprüfung konvertierter Christen durch staatliche Einrichtungen hier in Europa noch einmal neu bedacht und diskutiert wird. Ich wünsche mir ein Europa, in dem kein Christ und auch kein Angehöriger einer anderen Religion wegen seines Glaubens um sein Leben fürchten muss, wie ich dies zurzeit noch tagtäglich in meiner Arbeit erlebe." (SN/MB)

Ostinato begeistert in Jabel KircheJabelinnen

Seit 23 Jahren besteht das in der Kirchenregion Ost der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) beheimatete Vokalensemble "Ostinato". Der Chor trifft sich monatlich zum Üben sowie einmal im Jahr zu einer Probenwoche im Sommer - so auch zurzeit in Jabel (Foto | Altar in Jabel), wo Ostinato am 7. Juli 2019 in der Evangelisch-lutherischen Kirche der SELK ein Auftaktkonzert gab. Das Ensemble sang zum letzten Mal das auf Jesus Christus bezogene Programm "Seht, welch ein Mensch"; mit der Probenwoche beginnt die Arbeit am neuen Programm. Im Konzert gingen die 24 Sängerinnen und Sänger um ihren Chorleiter - Kantor Georg Mogwitz (Leipzig) - der Frage nach, wer Jesus Christus ist, indem sie Lieder vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi als dem Sohn Gottes zu Gehör brachten.

Neben zeitgenössischen Titeln wie "The Word was God" von Rosephanye Powell erklang auch "Vom Himmel hoch, da komm ich her" von Johann Eccard aus dem 16. Jahrhundert. Beide thematisieren die Geburt Jesu. Seine Passion verdeutlichten Lieder wie "Ave verum corpus" von William Byrd oder "Altes Mailied in der Bittwoche" von Max Reger. Für den Themenkomplex Auferstehung wurde unter anderem "Erstanden ist der heilig Christ" und "Geh aus mein Herz" von Rudolf Mauersberger gesungen. Zwischen dem Gesang brachte das Ensemble auch instrumentale Stücke zu Gehör, etwa von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach für Orgel und Flöte. Nach dem Konzert gab es einen so großen Applaus, dass der Chor als Zugabe "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius sang. (SN/MB)

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