Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jakobus 1,19 Pfarrer Markus Bttner c komp

Worte gehen auf die Reise! Auf kaum eine Generation stürmen derart vielstimmige Meinungen und unzählige Botschaften ein wie die unsere. Wir hören sie im Radio, sehen sie im Fernsehen, nehmen sie im Internet wahr, lesen sie in Zeitungen und Magazinen, bemerken sie auf Plakaten im öffentlichen Raum, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, an Häuserfassaden, an digitalen oder analogen Litfaßsäulen. Das Smartphone ist ständiger Begleiter. Online ist der Zeitgenosse rund um die Uhr und erreichbar bei WhatsApp, Telegram, E-Mail, SMS, MMS, sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. Mancher versteht es schon als grobe Unhöflichkeit, wenn nicht innerhalb einer Viertelstunde eine Rückmeldung vorliegt, mindestens der Beitrag durch den virtuellen Freund geliked wird. Sich allerdings gar nicht zu melden, ist dann tatsächlich unhöflich und zeigt mangelnden Respekt sowie fehlende Wertschätzung für seinen Nächsten. Schweigen ist auch eine Antwort. Worte gehen auf die Reise!

Es ist nicht nur eine Vielzahl an Medien, die wir nutzen können, sondern wir werden auch mit widersprüchlichen Meinungen, sich widersprechenden Trends und zahllosen entgegengesetzten Informationen konfrontiert. In dieser unübersichtlichen Lage mit lautem Marktgeschrei von Botschaften einen klaren Kopf zu behalten, fällt nicht leicht. Jede gesellschaftliche Gruppe versucht sich mit ihrer Botschaft Gehör zu verschaffen. Weil es für sie immer schwieriger wird ihre Botschaften zu platzieren, damit diese überhaupt noch gehört werden, werden die Botschaften lauter, schriller, bunter. Grenzen des Sag- und Hörbaren werden immer weiter verschoben. Jede Gruppe versucht sich zu überbieten, schreit ihre Meinung auf den gesellschaftlichen Marktplatz, sucht ihre Anhängerschaft, um die Meinungsführerschaft und Deutungshoheit zu erlangen. Fällt eine Meinung aus dem Rahmen des gesellschaftlichen Konsenses oder gefällt einer Gruppe die Meinung des anderen nicht, wird laut zurück geschrien, sich empört und sich aufgeblasen. Es ist geradezu eine Spirale der Empörungshysterie, die stets nach den gleichen Mustern abläuft. Das Kommunikationsverhalten erscheint immer fragwürdiger. Worte gehen auf die Reise!

Weil ein jeder unweigerlich Teil dieser Gesellschaft ist, gilt es sein eigenes Kommunikationsverhalten als Christ kritisch zu hinterfragen und sich selber zu prüfen. Dies gilt sowohl für den analogen wie auch für den digitalen Raum. Denn auf der anderen Seite der Tastatur sitzt mein Nächster, der das Geschriebene liest und ihn auch nicht ohne weiteres loslässt. Hasskommentare, Unterstellungen, Ausgrenzung und Abwertung meines Nächsten sind auch im digitalen Raum ein Verstoß gegen Gottes Gebote. Die Verbreitung von Halbwahrheiten oder gar offensichtlich falschen Nachrichten fällt gleichfalls unter das achte Gebot, nicht falsches Zeugnis gegen den Nächsten zu reden. Die Auswirkungen bei der Überzeichnung der Wahrheit, Verdrehung der Tatsachen, Verbreitung von Lügen können verheerend sein: In der virtuellen Welt wird gemobbt und in der realen nehmen sich Menschen das Leben, weil sie sich durch die Posts entwertet fühlen und ihr kostbares von Gott geschenktes Leben als nicht länger lebenswert empfinden. Eine Mail mit Halb- und Unwahrheiten im Büro oder Zuhause in scharfem Ton schnell geschrieben wird in der realen Welt die Beziehung zum Nächsten nachhaltig zerstören. Aber auch im direkten Gegenüber wird die Tonlage rauer. Es wird oftmals nicht genau hingehört auf das, was der Nächste zu sagen hat, sondern allzu schnell geantwortet. Während ein anderer spricht, wird nicht selten schon überlegt, wie ihm Paroli geboten werden kann, anstatt darauf zu achten, was er zu sagen hat. Der Nächste hat aber ein Anrecht darauf, dass er mit Aufmerksamkeit, Achtung und Respekt behandelt wird und er mit seinen Anliegen und Nöten gehört wird. So hat sich ein Christ auch von Gottes Wort her zu fragen, ob er sorgsam auf das hört, was sein Nächster ihm zu sagen hat, oder ob er ihm vorschnell antwortet, mit ätzender und vernichtender Kritik nicht spart, sich rasend schnell empört und versucht seinen Nächsten mit seiner Meinung zu überrumpeln, zu überfahren, zu manipulieren, niederzuschreien.

Der Mensch unserer Tage bekommt viel zu hören, fühlt sich nicht selten bemüßigt kenntnisarm wie ein Wasserschwall zu jedem Thema zu reden, und sich hysterisch sekundenschnell zornig aufzuregen, um wutentbrannt wiederum seine Sicht der Dinge seinem Gegenüber um die Ohren zu hauen. Die Medien sind des Öfteren Lautsprecher und Verstärker dieses Kommunikationsmodells. Worte gehen auf die Reise!

Jakobus setzt auf ein gänzlich anderes Kommunikationsmodell. Er fordert eine ausgeprägte Kommunikationskompetenz und ein profiliertes Kommunikationsverhalten in der Verantwortung vor Gott und den Menschen aus dem Glauben an Jesus Christus. Zunächst mahnt Jakobus, schnell zum Hören bereit zu sein. Hiermit ermutigt er sorgfältig, aufmerksam, gewissenhaft, hinzuhören auf das, was der Nächste zu sagen hat. Denn nur wer sorgsam hört, wird auch die Zwischentöne wahrnehmen. Er zeigt seinem Nächsten, dass er ihm wichtig ist, und dass das, was er zu sagen hat, wertgeschätzt und geachtet wird. Sorgsam hinzuhören auf das, was der Gesprächspartner zu sagen hat, ist auch ein Akt der Nächstenliebe. Setzt die Nächstenliebe schon beim Hören ein, so zeigt sie sich im langsamen Reden. Gemeint ist nicht die Sprechgeschwindigkeit, sondern das überlegte Reden und wertschätzende Gespräch, das auf ein sorgfältiges Hören folgt. Wie oft scheitert Kommunikation genau an dieser Stelle, weil nicht sorgfältig gehört oder gewissenhaft gelesen wird, um dann ebenso flüchtig und schnell zu reden oder zu antworten. Ein Wort gibt das andere. Worte gehen auf die Reise! Durch oberflächliches Kommunikationsverhalten und mangelnde Kommunikationskompetenz beim Hören und Reden, beim Wahrnehmen und Antworten, kann man zornig werden. Jakobus mahnt daher, langsam zum Zorn zu sein, sich in der Kommunikation im Griff zu haben, selbstbeherrscht zu bleiben. Menschlicher Zorn ist in den seltensten Fällen ein gerechter. Dieses biblische Kommunikationsmodell, das uns Jakobus vorstellt und uns als Gottes Wort auch aufgetragen ist zu tun, ist herausfordernd und bedarf der täglichen Einübung. Wer an seinem Nächsten schuldig geworden ist, bitte ihn um Verzeihung. Wer Gottes Gebot übertreten hat, erbitte von ihm Vergebung für seine Sünde. Gottes Wort gilt es zu hören, anzunehmen und dieses Wort dann auch in den eigenen Lebensvollzügen umzusetzen. Täter des göttlichen Wortes zu sein, erfordert ein gewissenhaftes Hören auf das, was der Herr zu sagen hat. Auch das bei Jakobus zu lesende biblische Kommunikationsmodell gehört dazu. Wer Worte auf die Reise schickt - digital oder analog -, möge zuvor gewissenhaft hinhören, sorgsam reden, überlegt handeln. Hierzu gebe Gott seinen Segen.

Herzliche Grüße - Ihr Pfarrer Markus Büttner

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