Viele sagen: »Wer wird uns Gutes sehen lassen?« Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes! Psalm 4,7 Pfarrer Markus Bttner komp b

Vertrauen ist ein Vorschussgeschäft. Vertrauen gelingt nur dann, wenn es dialogisch ist. Vertrauen kann keine Einbahnstraße sein. Wer einem anderen Menschen Vertrauen schenkt geht in Vorleistung, auch auf die Gefahr hin, dass sein entgegen gebrachtes Vertrauen missbraucht und somit enttäuscht wird. Gleichwohl gibt es misstrauische Menschen, die ihre Umwelt ablehnend betrachten und anderen mit Argwohn begegnen. Die Gründe liegen nicht selten in dem Umstand begründet, dass enttäuschtes Vertrauen sie misstrauisch hat werden lassen. Jedoch kommt wohl niemand ohne ein gewisses Maß an Vertrauen aus, weil ein Zusammenleben ansonsten kaum möglich erscheint. Das gilt sowohl im Privatleben als auch im Zusammenleben einer Gesellschaft. Die herausfordernden Zeiten, in denen wir gegenwärtig leben, zeigt im Grunde eine tiefe Vertrauenskrise auf.

Um eine Vertrauenskrise geht es auch in unserem Bibelwort. Denn zu Wort kommen die unruhigen Fragen und das Verlangen derer, die kein Vertrauen in Gott haben. „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“, fragen viele. Eine misstrauische Mehrheitsgesellschaft steht der in Gott gegründeten Gewissheit in die Geborgenheit Gottes des Beters gegenüber. Sie hadern mit ihrem Geschick. Auffällig ist, dass sie Gott nicht ansprechen. Sie sind nur bei sich und ihrem Schicksal. Orientierungslos erscheinen sie. Sie klagen über ihr dunkles Leben, ohne Sinn, ohne Perspektive, ohne Zukunft. Sie sind ohne Vertrauen in Gott, weil sie das Gute nicht sehen und Gottes aufhellende Zuwendung in ihrem Leben nicht vermögen wahrzunehmen. Sie schauen einzig auf sich und ihre Herausforderungen. Im Mittelpunkt stehen ihre Ängste, Probleme und Sorgen. Einen Blick für den Nächsten haben sich nicht und keine Augen für Gott und seine Welt. Jammernd und klagend demonstrieren sie ihre Lage und tragen sie wie eine Monstranz in ihrem Leben vor sich her. Weil sie nur auf sich und die eigene Lage fokussiert sind, erscheinen die Herausforderungen übergroß und übermächtig. Das Gute vermögen die vielen daher nicht zu sehen. Dunkel ist es und finster.

Ganz anders der Beter des 4. Psalms! Er wendet sich vertrauensvoll an Gott. Sein Vertrauenslied besingt seine unüberwindbare Geborgenheit in Gott und die unerschütterliche Gewissheit göttlicher Gnade trotz allen Anfeindungen und Verleumdungen. Er wendet sich im Gebet bittend an Gott. Der Beter ist sich gewiss, Gutes von Gott empfangen zu haben. Denn wunderbare Gnade hat Gott ihm erwiesen, Raum geschaffen für Hilfe und tiefe Freude geschenkt, weil sich ihm Gott mit seinem Heil zuwendet. So leuchtet Gottes freundliches Gesicht über ihn und seinem Leben. Ihm schenkt er Vertrauen auch gegen jeden Augenschein. Wir kennen Gottes Antlitz, weil Gott uns sein Gesicht gezeigt hat.

Gottes freundliches Gesicht ist Mensch geworden, liegt in einer Krippe und trägt den Namen Jesus Christus. Ich bin das Licht der Welt, wird dieses Kind machtvoll sagen. In der Finsternis der Nacht vor den Toren Bethlehems erscheint der Glanz der göttlichen Welt den Hirten auf den Feldern. Das Licht der Welt ist geboren. Das Kind in der Krippe vertreibt die Finsternis der Nacht und leuchtet als der ewige Morgenstern. Das muss angesagt und weitergeben werden, besonders in den dunklen Tagen der Schuld und der Finsternis der Verlorenheit, die sich auch in unseren Tagen machtvoll zeigen. Dazu braucht es die Engel, die den Hirten verkündigen, dass der Heiland der Welt geboren ist. Wo Gottes heilvolle und lichte Welt in die dunkle und verlorene Welt eintritt, wird es hell. Die Finsternis vermag dieses Licht nicht zurückzudrängen. Das Licht der Welt ist mit dem Kind in der Krippe in der Welt. Dieses Licht wird mit den Augen des Glaubens gesehen: Weil es deutlich durch das Wort und die Sakramente weithin sichtbar ist, ist es mitten in der Finsternis ein fester Lichtpunkt, der gleichsam wie ein Leuchtturm den Weg durch diese Zeit in die Ewigkeit weist.

Auch wenn das Licht der Welt in der Welt ist und weithin als Leuchtturm den Weg durch die Zeiten weist, so ist die Finsternis noch nicht Vergangenheit. Die Dunkelheit ist für manche noch bittere Wirklichkeit in der Gegenwart: die Finsternis des Zweifels sowie die Schatten der Sünde, greifen um sich. Gerade dann, wenn die Anfechtungen einen zu zerreißen drohen, die Fragen quälend sind, die Schuld übergroß erscheint, gilt es sich auf den Namen des Herrn zu hoffen und sich auf Gott zu verlassen. Es leuchtet gerade auch für die, die von Leid geplagt, von Krankheit gezeichnet, von Angst verunsichert, von Einsamkeit bedrückt sind. Wer das Leben sucht, der findet es im Kind in der Krippe. Denn dieser ohnmächtige Säuglinge ist doch der mächtige Herr Himmels und der Erde. Durch seine Menschwerdung hat er sich solidarisch an die Seite der verlorenen Menschen gestellt, damit er die leidzerrissene Welt und die nach Erlösung schreiende gebrochene Erde rettet. Aus sich selbst heraus vermag sie es nicht, kann auch nicht an der eigenen Rettung mitwirken. Ganz angewiesen ist der Mensch auf den Erlöser Jesus Christus, der als das Licht der Welt in einem Stall zu Bethlehem das Licht der Welt erblickt.

Diesem Kind in der Krippe gilt es sein Vertrauen zu schenken. Ein anderes Geschenk will er und braucht er nicht. Dir hingegen will der Gottessohn alles das schenken, was die Welt nicht geben kann: Friede, der höher ist als alle Vernunft, Freude, die sich in Gott gründet und darum Bestand hat, seine Heilsgegenwart in seinem Wort und den Sakramenten, die seine Gnade austeilt und empfängt. Dieses besondere Weihnachtsfest in diesen herausfordernden Zeiten ermutigt den Kern und das Wesen von Weihnachten neu zu entdecken, um es im Vertrauen auf Gottes helfende Zuwendung zu feiern. Erwiesen hat er diese helfende und heilende Zuwendung durch die Sendung seines Sohnes in diese leidzerrissene Welt. Das Wunder der Heilszuwendung Gottes wird mit dem Kind in der Krippe Mensch, der das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Wagen wir dieses Vertrauen - gerade heute.
So wünsche ich allen eine besinnliche Advents- und gesegnete Weihnachtszeit sowie ein segensreiches Jahr 2021 unter dem Licht der Welt Jesus Christus. Herzliche Grüße Pfarrer Markus Büttner

SELK


 

 

Superintendentur


 

Superintendent Peter Brückmann

Usedomer Straße 11

13355 Berlin

Telefon: 030-92 36 12 66

wedding@selk.de