Flüchtlinge willkommen heißen - Christentum und Islam in Europa - Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. wendet sich mit Hirtenwort an Kirchengemeinden Bischof Voigta
Zur gegenwärtigen Debatte um Fremdenfeindlichkeit und zum Verhältnis von Christentum und Islam in Europa hat der leitende Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), am 19. Januar 2015 ein Hirtenwort veröffentlicht.

Überraschend geht er dabei von der These aus, dass die Trennung zwischen Staat und Kirche, zwischen Religion und Politik in den westlichen Gesellschaften der entscheidende Ertrag einer blutigen Geschichte sei. Diese grundlegende Unterscheidung werde auch von Luther und den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche vertreten. Es gelte, dies verstärkt in die gesellschaftlichen Debatten einzutragen.

Voigt legt außerdem dar, dass die drei bekannten Schlagworte der Französischen Revolution - Liberté, Égalité, Fraternité | Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - einen christlichen Hintergrund hätten, auch wenn die Französische Revolution ein kirchenfeindliches Ereignis gewesen sei. Von daher erschließe sich auch die grundlegende Bedeutung von Religionsfreiheit und Pressefreiheit. Wörtlich heißt es: "Lassen wir uns deshalb nicht hinreißen zu undifferenzierter Medienschelte. Journalisten erfüllen eine wesentliche Aufgabe in unserer Gesellschaft, weil und wenn sie genau beobachten, Hintergründe aufdecken und kritisch berichten." Ausgehend vom Begriff der Freiheit, die immer an der Freiheit anderer ihre Grenzen habe, schreibt der Bischof: "Die Debatte ist deshalb trotz des durch nichts zu rechtfertigenden Mordangriffs auf die Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift zu führen, welche Grenzen der Pressefreiheit hinsichtlich der Verletzung religiöser Gefühle gesetzt sind."

Der leitende Geistliche ruft zu Begegnungen mit Muslimen auf, da auf diese Weise die oft unbestimmten Ängste abgebaut werden könnten. Dennoch gelte es, auch gegenüber Muslimen mit Respekt und Demut den christlichen Glauben zu bezeugen. Auch sei es in solchen Gesprächen immer wieder erforderlich, auf die entscheidende Bedeutung der Religionsfreiheit aufmerksam zu machen, die immer zuerst die Freiheit der Andersdenkenden sei. Wörtlich heißt: "Aber auch auf die notwendige Unterscheidung zwischen Religion und Politik, einer zumindest historisch wahrnehmbaren Tendenz islamischer Strömungen zur Ausbreitung durch Gewalt und ein in vielerlei Hinsicht problematisches Frauenbild weisen wir in Gesprächen mit dem Islam hin, wann immer es möglich ist."

Das Hirtenwort ruft zudem klar dazu auf, Flüchtlinge weiterhin in Deutschland willkommen zu heißen. Auf eine Unterscheidung in Bürgerkriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge könne sich die Kirche nicht einlassen, denn auch wirtschaftliche Not sei sehr existenziell. Niemand verlasse seine Heimat gern, schreibt Voigt - und stellt dar, dass die Vorgängerkirchen der SELK im 19. Jahrhundert in besonderer Weise die Erfahrung mangelnder Religionsfreiheit gemacht und damit zahlreiche Lutheraner die Erfahrung der Flucht gemacht hätten. In etlichen Gemeinden der SELK würde bereits eine aktive Flüchtlingsarbeit betrieben. Das Hirtenwort steht deshalb unter dem biblischen Leitwort Christi: "Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen." (Matthäus 25,35).

Gegenüber selk_news erklärte der Bischof: "Ich möchte mit diesem Brief Gespräche und Nachdenken in unseren Gemeinden anregen und bin selbst gern auch zu kritischen Gesprächen bereit."

In Berlin arbeitet Pfarrer Dr. Gottfried Martens von der Evangelisch-Lutherischen St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf/Steglitz mit Flüchtlingen vornehmlich aus dem Iran und Afghanistan. Um rund 300 Flüchtlinge kümmern sich Martens und die St. Mariengemeinde. Integration und soziale Hilfestellungen gehören wesentlich mit zu den Aufgaben.

Der Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) wird von Superintendent Peter Brückmann, Berlin-Wedding, geleitet. Zu diesem Kirchenbezirk gehören 13 Pfarrbezirke mit einer Vielzahl an Gottesdienstorten. Sie ist eine von anderen Trägerkirchen des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die SELK ist eine bundesweite evangelisch-lutherische Kirche, die national in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen als Vollmitglied mitarbeitet. Der Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg arbeitet im Ökumenischen Rat der Kirchen Berlin-Brandenburg mit. Zur SELK gehören bundesweit rund 34.000 Kirchglieder. Sie ist über die Diakonische Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen Mitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. (MB/SN)

Der Wortlaut des Hirtenwortes ist hier abrufbar.

 

Einbruch in der Evangelisch-Lutherischen Paulusgemeinde NeuköllnPauluskirche

Einen Schreck erlebten die Gemeindeglieder der Evangelisch-Lutherischen Paulus-Gemeinde der SELK in Berlin-Neukölln, als sie am 28. Dezember 2014 zum Gottesdienst kamen: In ihre Kirche war eingebrochen worden. Dabei wurde der Stahlschrank mit den Abendmahlsgeräten entwendet. Da zudem ein Opferstock und die Büchertischkasse aufgebrochen worden seien, hätten der oder die Täter wohl auch in dem Schrank Geld vermutet, so Pfarrer Rainer Kempe. Andere sakrale Gegenstände sind nicht gestohlen worden.

Learning by heart: Bergpredigt - erster SELK-Pfarrer beteiligt sich

Pfarrer HillermannUnter dem Motto "Learning by heart: Bergpredigt. Luther Lernen zur Lutherdekade" rief der evangelische Pfarrer Gerhard Bauer (Kulmbach/Oberfranken) dazu auf, die Bergpredigt auswendig vorzutragen. 500 Rezitatoren wolle er bis zum Lutherjubiläum 2017 finden (weitere Imformationen: http://www.gottes-kinder.de/lutherlernen/). Am Gedenktag St. Stephanus stellte sich Pfarrer Johann Hillermann (Evangelisch-Lutherische Gemeinde Berlin-Mitte) der Herausforderung. Er rezitierte  als erster Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) im Rahmen dieser Aktion beim Empfang zu seinem 25-jährigen Ordinationsjubiläum nach dem Gottesdienst vor den anwesenden Gemeindegliedern, Gästen und Pfarrern die Bergpredigt nach der Lutherübersetzung aus dem Jahr 1545. Unter linguistischer "Kontrolle" meinte er, dass man die Bergpredigt in dieser Lutherübersetzung trotz ihres nicht ganz modernen Ausdrucks leicht verstehen konnte und sie ohne weiteres im Gottesdienst von der Kanzel hätte gehalten werden können. Hillermann ruft dazu auf, sich auch der Herausforderung zu stellen, mache das Auswendiglernen doch viel mehr mit einem selbst, als bloß das reine Lernen. Bis zu den erhofften 500 Teilnehmern fehlen noch einige; nach aktuellem Stand beteiligen sich erst 40 Freiwillige.

Weihnachten und Flüchtlinge – Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinden laden zu Gottesdiensten in Berlin einaaKrippe

Der Auftakt zu den Weihnachtsfeierlichten sind die Gottesdienste am Heiligen Abend, die mit der Christvesper beginnen. Evangelisch-Lutherische Gemeinden im Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche laden zu Christvespern, oft mit Krippenspielen, ein.

So bietet die Evangelisch-Lutherische St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf, Riemeisterstraße 10-12, 14169 Berlin, um 15.30 Uhr eine Andacht für Kinder mit Krippenspiel an. Das Krippenspiel wird auch das Thema Flüchtlinge aufnehmen. Eine liturgische Vesper um 17.00 Uhr folgt. Um 22.00 Uhr wird Bischof em. Dr. Jobst Schöne D.D. einen Abendmahlsgottesdienst zur Heiligen Nacht zelebrieren.

Am 1. Weihnachtsfeiertag werden festliche Abendmahlsgottesdienste angeboten. So beginnt der Abendmahlsgottesdienst in St. Marien Berlin-Zehlendorf um 10.00 Uhr. Mitten in der Weihnachtszeit gedenken Evangelisch-Lutherische Gemeinden auch des ersten Märtyrers der Christenheit, Stephanus. Traditionell wird dies am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26.12. getan. In der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche, Südendstraße 19/21 in Berlin-Steglitz wird gerade dieser Gottesdienst besonders gefeiert werden. Denn dort sind die Mehrheit der Gemeindemitglieder Flüchtlinge, die gemeinsam mit Pfarrer Dr. Gottfried Martens diesen Tag begehen werden. Dieser Gottesdienst beginnt um 10:30 Uhr und wird als Abendmahlsgottesdienst gefeiert.

Nicht wenige Christen fliehen auch zur Weihnachtszeit vor Verfolgung und Not. Manche haben Aufnahme in Deutschland gefunden. Sie sind mitten unter uns – auch in den Kirchengemeinden. In besonderer Weise wird ihr Schicksal im Mittelpunkt stehen. Denn auch Jesus selbst ist als Säugling mit seiner Familie vor Verfolgung und Tod nach Ägypten geflohen. Am Tag der unschuldigen Kinder, wie dieser Gedenktag heißt, wird am Sonntag, dem 28.12. dieser Flucht gedacht. Jesus selbst ist ein Flüchtling gewesen. Sich dieser Tatsache im Angesicht von wachsender Anfeindung gegen Flüchtlinge in Deutschland bewusst zu machen, ist ein Anliegen der Gottesdienste an diesem Tag. In der St. Mariengemeinde, Berlin-Zehlendorf beginnt er am 28.12.2014 um 10.00 Uhr unter Mitwirkung von Bischof Schöne.

Auch die Evangelisch-Lutherische Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz" in der Nassausischen Straße 17-19 in Berlin-Wilmersdorf und die Evangelisch-Lutherische Kirche Berlin-Mitte in der Annenstraße 52/53 bieten Gottesdienste zum Weihnachtsfest an. Gemeindepfarrer Johann Hillmermann feiert am Gedenktag des Erzmärtyrers Stephanus sein 25-jähriges Ordinationsjubiliäum. Der gebürtige Südafrikaner, jetzt Deutscher Staatsbürger, vertritt die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche als Beauftragter am Sitz der Bundesregierung. Die Neuköllner Paulus-Gemeinde und die Augustana-Gemeinde Berlin-Wedding laden am 2. Weihnachtsfeiertag zu Singe-Gottesdiensten in ihre Kirche ein, während die Missionsgemeinde in Marzahn um 18.00 Uhr eine Andacht am Lagerfeuer feiert. Die Potsdamer Christusgemeinde feiert ihre Weihnachtsgottesdienste in ihrer schon weitgehend renovierten und denkmalgeschützten Kirche.

Gottesdienste mit Beichte und Feier des Heiligen Abendmahl zu Sylvester und Neujahr werden gleichfalls zu verschiedenen Uhrzeiten in den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden angeboten.

Eine Gottesdienstübersicht finden Sie hier. Die ökumenisch verantwortete Datenbank für Weihnachtsgottesdienste ist abrufbar unter der Adresse www.weihnachtsgottesdienste.de.

Der Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche wird von Superintendent Peter Brückmann geleitet. Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche arbeitet im Ökumenischen Rat der Kirchen Berlin-Brandenburg mit. Sie ist neben der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und einigen anderen Kirchen eine Trägerkirche des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

50 Jahre Ökumenismusdekret - Vertreter der SELK nahmen an Gedenkgottesdiensten in Bistümern teilPropst Gert Kelter, Görlitz, SELK

Am 21. November 1964 wurde während des 2. Vatikanischen Konzils das Ökumenismusdekret "Unitatis redintegratio" veröffentlicht. Aus diesem Anlass hatten die römisch-katholischen Bistümer in Deutschland Vertreter der Ökumene zu Gedenkgottesdiensten in die Bischofskirchen eingeladen.

Die als "ökumenische Gottesdienste" bezeichneten Wort- und Gebetsgottesdienste folgten einer von der deutschen römisch-katholischen Bischofskonferenz entworfenen Liturgie.

Das Ökumenismusdekret des 2. Vatikanums beschreibt die ökumenischen Positionen der römisch-katholischen Kirche. Obwohl es die traditionellen Positionen römisch-katholischen Selbstverständnisses festigt, "die wahre Kirche Jesu Christi zu sein, in der die ganze Fülle der Heilsmittel gegeben ist" (Kardinal Dr. Walter Kasper am 11.11.2004 zum 40. Jahrestag), enthält es auch für die damalige Zeit beeindruckend neue Einsichten. Christen anderer Konfessionen wird das "Christsein" aufgrund ihrer Taufe bescheinigt.

Das Ökumenismusdekret lässt freilich auch keinen Zweifel daran, dass die Ämter der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen aus römischer Perspektive nicht als vollgültig anerkannt werden und die Eucharistie-/Abendmahlsfeiern - etwa auch der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) oder anderer evangelischer Kirchen - "die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben". Diese und andere Positionen haben in der Vergangenheit immer wieder für Verstimmungen auf dem ökuemnischen Parkett gesorgt.

Dennoch ist das Ökumenismusdekret ein verheißungsvoller "Anfang" einer neuen ökumenischen Ausrichtung der römisch-katholischen Kirche.

Es hat unter anderem auch - mit jahrzehntelanger Verzögerung - dazu geführt, dass "Rom" mittlerweile auch innerhalb der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften deutlich differenziert und nicht mehr pauschal vom "Protestantismus" spricht.

Eine Folge davon ist nicht zuletzt auch der bilaterale Dialog zwischen dem Vatikan und dem Internationalen Lutherischen Rat (ILC), zu dem auch die SELK gehört.

Auf Einladung der römischen Bischöfe nahmen am 21. November auch Vertreter der SELK an den Gedenkgottesdiensten teil, so etwa in Görlitz der Ökumenereferent der SELK, Propst Gert Kelter (Foto), in Speyer Pfarrer Scott Morrison und in Hildesheim Pfarrvikar Gottfried Heyn (Hannover).

Gegenüber selk_news sagte Kelter, er habe die Einladung zu diesem Gottesdienst angenommen, weil er darin einen Ausdruck gegenseitiger geschwisterlicher Wahrnehmung, Wertschätzung und Verbundenheit erkannt habe. Kelter: "Ich habe dem Görlitzer Bischof Ipolt gesagt: ,Die Teilnahme an diesem Gottesdienst fiel mir so leicht, wie es römisch-katholischen Bischöfen leicht fallen wird, am (Beicht-) Gottesdienst der SELK zum Gedenken an den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 teilzunehmen.'"

Der Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg bildet mit den Kirchenbezirken Lausitz und Sachsen-Thürigen den Sprengel Ost der SELK. Leitender Geistlicher mit regionalbischöflichen Aufgaben ist Propst Gert Kelter. In seiner Eigenschaft als Propst gehört er zur Kirchenleitung.

Quelle: SELK-News

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