Sind deutsche Richter Glaubenswächter? – Umstrittene Urteile häufen sich 31 1.2018 Voigt h Buettner

In letzter Zeit werden zunehmend Klagen von zum Christentum konvertierten ehemaligen Muslimen von Verwaltungsgerichten abgewiesen. Pfarrer Dr. Gottfried Martens, der in der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Steglitz vornehmlich mit Flüchtlingen aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan arbeitet, die vom islamischen zum christlichen Glauben konvertierten, weiß auf seiner Facebook-Seite darüber zu berichten. In einer der Urteilsbegründungen heißt es, so Martens:

„Es spreche ‚gegen eine tiefe Verwurzelung des Klägers‘, ‚dass er in seiner Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben überhaupt keine kritischen Punkte bezüglich des Christentums oder für ihn fragwürdige Glaubensinhalte gefunden hat, obwohl er nun schon über drei Jahre getauft ist. Auf die entsprechende Frage des Gerichts hat er lediglich erläutert, dass er bei Unverständnis nach Antworten suche und im Rahmen von Schulungen nachdenken könne. Eine kritische Auseinandersetzung oder Reflexion seines neuen Glaubens, die jedenfalls Indiz für eine Verfestigung sein können, vermochte das Gericht beim Kläger demgegenüber nicht erkennen (sic!).‘"

Martens fragt kritisch an, ob allein ein gelebter christlicher Glaube in kritischer Distanziertheit von Richtern akzeptiert werde, wie er vielleicht noch rudimentär als Grundeinstellung mancher einheimischer Christen zu finden sei, jedoch keinen, welcher das Wort Gottes noch ernst nehme und sich zur Lehre der evangelisch-lutherischen Kirche halte. „So bestimmt der Staat als Glaubenswächter in unserem Land, was denn nun wirklicher, echter Glaube ist und was nicht. Ich selber hätte vermutlich auch keine Chance mehr, vor einem staatlichen Gericht noch als ernsthafter Christ anerkannt zu werden.“, wie Martens meint.

Auch Bischof Hans-Jörg Voigt |Foto, leitender Geistlicher der SELK, kritisierte 2018 zuletzt Glaubensprüfungen durch staatliche Stellen. „Die Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zum Christentum konvertierten ehemaligen Moslems in letzter Zeit die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft immer häufiger verweigert, ist ein Skandal, der sich in aller Stille mitten unter uns abspielt“, so Voigt.

Es vergehe kein Werktag, so der Bischof, wo der Glaube bei konvertierten Flüchtlingen willkürlich bewertet werde und immer wieder auch Urteile über Glaubenslehren und Glaubenspraxis der Kirchen vorgenommen werde. Für Voigt ein klarer Verfassungsverstoß. BAMF oder Richter am Verwaltungsgericht sprechen den zum Christentum konvertierten die Ernsthaftigkeit ihres Glaubens ab. Es bleibt zu fragen, ob die Religionsfreiheit ein weniger schützenswertes Gut sei, als das anderer im Grundgesetz garantierter Rechtsgüter, wie der Pressefreiheit.

Im Iran, Afghanistan und Pakistan droht beim Glaubenswechsel vom Islam zum Christentum die Todesstrafe. (MB)

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