Kirchenasyl Thema der Bezirkssynode Berlin-Brandenburg – Pfarrer Dr. Gottfried Martens hält Synodalreferat Pfarrer Dr. Martens Vortrag

Der zweite Tag der Bezirkssynode des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) hat am Samstag, dem 28. März 2015, mit einem Beicht- und Abendmahlsgottesdienst in der gastgebenden Evangelisch-Lutherischen Augustana-Gemeinde Berlin-Wedding, begonnen. Anschließend fanden sich die Synodalen im Gemeinderaum zusammen, um Grußworte unter anderem von Propst Gert Kelter, Görlitz, und aus der Ökumene von Herrn Superintendenten Martin Kirchner vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin Nord-Ost der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zu hören.

Im Anschluss referierte Pfarrer Dr. Gottfried Martens, Evangelisch-Lutherische Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf/Steglitz der SELK, über das Thema Kirchenasyl. Martens, der mit Flüchtlingen aus dem Iran und Afghanistan arbeitet, berichtete von seinen Herausforderungen, vor die er in seiner täglichen Arbeit gestellt wird. An Einzelbeispielen erläuterte und kritisierte er die europäische Asylpolitik sowie die Anwendung der Asylgesetze durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Er sprach von Menschen, die in einer Art Parallelwelt leben müssten, immer in der Angst vor Abschiebung in ein EU-Land, in dem sie als Flüchtlinge zuerst registriert worden sind. Unterschiedlich, so Martens, sind jedoch die Standards der einzelnen EU-Länder. Auch werde nicht in allen EU-Ländern der gleiche Maßstab angelegt, wem Asyl gewährt oder eben in die Heimatländer abgeschoben werde. Besonders in den skandinavischen Ländern ist eine Konversion vom Islam zum Christentum kein hinreichender Asylgrund, sodass auch nach einer Konversion Christen in islamische Länder abgeschoben werden. Dort drohe ihnen aber nicht selten der Tod. Nach sorgfältiger Prüfung jedes Einzelfalles gewähre er Kirchenasyl in der Dreieinigkeitskirche der SELK in Berlin-Steglitz.

Für die SELK im Berliner Raum gewährte die Evangelisch-Lutherische St. Mariengemeinde in Berlin-Zehlendorf einer Familie aus dem Iran als erste Kirchenasyl. Neben der Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz sind es auch die Kirchengemeinden der SELK in Wilmersdorf und im Wedding.

Pfarrer Dr. Martens dankte sowohl der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) als auch der Römisch-Katholischen Kirche für ihren Einsatz zum Schutz der Flüchtlinge im Kirchenasyl. Kirchenasyl sollte künftig als Flucht gewertet werden, wodurch sich die Zeit bis zur Zuständigkeit Deutschlands für ein Asylverfahren von sechs auf 18 Monate verlängern würde. Diese Neubewertung wird nach Intervention beider Kirchen zunächst vorläufig nicht weiter verfolgt. Dr. Martens führte in diesem Zusammenhang weiter aus, dass Kirchenasyl im Deutschen Rechtsystem nicht verankert sei. Jedoch kann Kirche sich auf Aussagen des Alten und des Neuen Testaments berufen. Freistätten, wie freie Städte oder Klöster waren bis weit über das Mittelalter hinaus Orte der Zuflucht für Verfolgte. In bis zu 90 % der Fälle von Kirchenasyl ändern sich die Bescheide des BAMF zugunsten der Asylantragssteller, sodass sie als Flüchtlinge anerkannt werden. Die Arbeit von Pfarrer Dr. Gottfried Martens stößt auf besonderes mediales Interesse im In- und Ausland. Hörfunk, Fernsehen und Zeitungen berichten. Eine Presseschau ist auf den Internetpräsenz des Kirchenbezirks zusammengestellt.

Wahlen zur 13. Kirchensynode der SELK, die vom 8.-14. Juni 2015 in Hermannsburg (Landkreis Celle) stattfinden wird, folgten. Als Synodaler wurde Pfarrer Rainer Kempe, Berlin-Neukölln, und als stellvertretender Synodaler Pfarrer Johann Hillermann, Berlin-Mitte, gewählt. Als Laienvertreter wurden als Synodale Frau Sylvia Evers, Berlin-Wilmersdorf, und Frau Angelika Krieser, Berlin-Zehlendorf/Steglitz, und als stellvertretende Synodale Frau Ruth Keidel, Berlin-Wedding, und Herr Oliver Wonneberg, Berlin-Zehlendorf/Steglitz, gewählt.

Den Jahresabschluss 2014 nahm die Synode zustimmend zur Kenntnis und dankte dem Bezirksrendanten Herrn Friedrich Kaufmann, Berlin-Wilmersdorf, für seine Dienste. Der Haushaltsplan 2015 wurde verabschiedet. Superintendent Peter Brückmann dankte dem Präsidium, dem Präses Dr. Frank Keidel Berlin-Wedding, Pfarrer Christoph Schulze, Potsdam, als Beisitzer, und Frau Angelika Krieser als Protokollantin, sowie der gastgebenden Augustana-Gemeinde Berlin-Wedding. Die Synode schloss mit dem Reisesegen. (MB)

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