Unerwarteter Nähe und naheliegende Weggemeinschaft - SELK: "Gastfreundschaft in schwierigen Zeiten" ökumenisch bedachtEvangelisch-Lutherische Kirche Berlin

Zu "unerwarteter Nähe und naheliegender Weggemeinschaft" kam es vor 80 Jahren zwischen altlutherischen Gemeinden, die zur evangelisch-lutherischen Kirche Preußens gehörten - einer Vorgängerkirche der heutigen Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, und Geistlichen der Bekennenden Kirche mit ihren Gemeinden. In drei Veranstaltungen wurde jetzt der "Gastfreundschaft in schwierigen Zeiten" gedacht.

Pfarrer Dr. theol. Christian Neddens (Saarbrücken) von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) stellte am 9. Oktober in den Räumen der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin seine Forschungsergebnisse in einer Veranstaltung des "Vereins für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte" vor. Aufgrund von Forschungen in Gemeindearchiven und Gemeindeblättern der Zeit sowie aufgrund von Erinnerungen von Geistlichen berichtete Neddens von der notvollen Situation der Christen im Widerstand gegen die Bestrebungen der "Deutschen Christen", die Evangelische Kirche der Union in Preußen nach nationalsozialistischen Grundsätzen umzugestalten. Es kam zu Suspendierungen. In den drei Berliner Gemeinden der altlutherischen Kirche, die zu den Vorgängerkirchen der SELK gehört, sowie unter anderem in den Gemeinden Potsdam, Wernigerode und Gemünden dieser Kirche wurde diesen Geistlichen mit ihren Gemeinden Gastfreundschaft gewährt.

Neddens zeigte eine Reihe von Punkten auf, die zu dieser Nähe führten. Zugleich führte er anhand des Verhaltens der damaligen Kirchenleitung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen aus, weshalb es nicht zu einer engeren, bleibenden Zusammenarbeit kam.

Am 11. Oktober trug der Referent in der St. Thomas-Kirche der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in Berlin-Kreuzberg seine Forschungsergebnisse in einem Gemeindevortrag vor. Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der EKBO und aus den SELK-Gemeinden von Berlin und Potsdam und aus der römisch-katholischen Nachbarschaft nahmen an der Veranstaltung teil. In der Kirche konnte auch eine Ausstellung von sechs Schautafeln zum Thema besichtigt werden. Alle damaligen Berliner Gemeinden der Altlutheraner - Süd (jetzt: Mitte), Nord (jetzt: Augustana-Gemeinde Wedding) und West (jetzt: Zum Heiligen Kreuz Wilmersdorf) - sowie die Christus-Gemeinde Potsdam hatten zu dieser Ausstellung beigetragen. Die Gestaltung hatte Gerhard Ballewski (Berlin) übernommen. Zur Veranstaltung gehörte eine Andacht, gehalten von der Ortspfarrerin, Claudia Mieth, und Pfarrer i. R. Christian Müller, dem Initiator dieser Gedenkveranstaltung.

Am Sonntag, dem 12. Oktober 2014 fand schließlich ein ökumenischer Predigtgottesdienst in der Kirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Berlin-Mitte (SELK) statt. Es war gleichzeitig das 157. Kirchweihgedenken. Pfarrer Johann Hillermann unterstrich in seiner Predigt über einen Ausschnitt aus dem Hebräerbrief, dass damals vor 80 Jahren wie heute die Gemeinde von dem hohepriesterlichen Dienst Christi ihr Leben hat. Im Gottesdienst richteten Superintendent Peter Brückmann (Augustana-Gemeinde Wedding) sowie Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und Pfarrerin Mieth von der EKBO Grußworte. Nach dem Gottesdienst konnte die Ausstellung noch einmal besichtigt werden. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zum Gespräch.

Literaturempfehlung:

Neddens, Christian: Bekennende Kirche und Altlutheraner im Kirchenkampf. Unerwartete Nähe und naheliegende Weggemeinschaft, in: Preußische Union, lutherisches Bekenntnis und kirchliche Prägungen. Theologische Ortsbestimmungen im Ringen um Anspruch und Reichweite konfessioneller Bestimmtheit der Kirche, hrsg. von: Kampmann, Jürgen und Klän, Werner. Oberurseler Hefte Ergänzungsband 14, Göttingen 2014, S. 232-269.

SELK


 

 

Superintendentur


 

Superintendent Peter Brückmann

Usedomer Straße 11

13355 Berlin

Telefon: 030-92 36 12 66

wedding@selk.de