Jesus antwortete: Ich sage euch, wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Lukas 19, 40 Pfarrer Markus Bttner c komp

Die Altäre sind verwaist. Auf den Kanzeln wird nicht gepredigt. Die Kirche bleibt kalt. In der Passionszeit und zu Ostern haben wir es im vergangenen Jahr erlebt. Es galt ein strenges Versammlungsverbot, das einem Gottesdienstverbot gleich gekommen ist. Auch in diesen Tagen verzichten manche Kirchengemeinden auf Präsenzgottesdienste – wegen Corona. Erlaubt sind Gottesdienste, wenn auch unter Auflagen. Gottes Wort darf wieder gepredigt, die Sakramente gereicht werden und die Gemeinde darf sich im Namen Jesu versammeln. Selbstverständlich ist es nicht, wie wir aus eigenem Erleben erfahren mussten. Darum bleibt unklar, warum manche dennoch freiwillig auf Gottesdienste verzichten. Andere weichen ins Internet aus, um wenigstens Gottes Wort zu den Menschen zu tragen. Doch bleibt ein Gottesdienst im Internet eine Notlösung: Die gottesdienstliche Gemeinschaft fehlt, das heilige Altarsakrament, die Leiblichkeit. Denn Gottes Sohn ist Mensch geworden und ist leiblich ins Fleisch eingegangen, nicht aber virtuell. In den Gottesdiensten feiern wir im Altarsakrament die wirkliche und leibhafte Gegenwart Jesu Christi und empfangen seinen Leib und sein Blut unter Brot und Wein. Das setzt eine leibliche Teilnahme am präsentischen Gottesdienst voraus, um vollumfänglich und ganzheitlich teilzuhaben an der Präsenz Gottes im Gottesdienst. Denn Gott zieht ein. Realpräsentisch ist er gegenwärtig.

Dieses Wort Gottes – der Monatsspruch für März – führt uns zum Einzug Jesu in Jerusalem. Die Menge jubelt ihm zu: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Leiblich zieht der Herr ein – nicht in Gedanken und schon gar nicht virtuell im Internet, vielmehr angreifbar. Der Herr ist zum Greifen nah, dadurch aber auch angreifbar für diejenigen, die dem Jubel ablehnend gegenüber stehen. Verstummen soll der Lobgesang beim Einzug des Königs. Schweigen sollen der Lobpreis und die Anbetung. Verschwiegen werden sollen die großen Taten, die sie gesehen hatten. So greifen einige Gegner in der Menge Jesus an und rufen ihn auf, dass er die Jünger zum Schweigen bringen solle. Eine harsche Zurechtweisung wird gefordert. Doch der Herr widersetzt sich drastisch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien!

Schweigen ist für Christen keine Option - weder für die Jünger damals noch für die Christen heute. Nun geht es nicht darum, zu allem und jedem zu reden und Stellungnahmen in die Welt zu setzen. Diesem Irrtum verfallen manche, indem sie meinen, sie müssten ihre Stimme für glaubensfremde Themen erheben und sich als gesellschaftlich-politische Spieler Gehör verschaffen. Schreiende Steine wird es dann geben, wenn das Gotteslob verstummt und von Gottes großen Heilstaten nicht mehr gepredigt werden wird. So sind selbst Steine in die Nachfolge Jesu gerufen. Trifft dies nicht auch tatsächlich auf manche verwaiste und verlassene Kirche zu? Auch wenn in diesen Kirchen die Stimmen des Gotteslobes verstummt sind, keine Predigten auf den Kanzeln verkündigt werden, die Altäre verwaist sind, stehen die Kirchengebäude als schreiende Zeugen in einer Gott abgewandten Welt. Schreien die Steine der aufgegebenen und verlassenen Kirchen in unseren Tagen nicht immer lauter? Nun schreien die Steine den Besucher nicht an, verurteilen ihn nicht einmal, weisen ihn auch nicht ab. Denn die Aufgabe der schreienden Steine ist das Gotteslob und die Verkündigung der großen Taten Gottes. Darum sind selbst verwaiste Kirchen oder Kirchenruinen keine stummen Zeugen, wie landläufig behauptet wird, sondern schreiende Zeugen der realpräsentischen Gegenwart Gottes. Ihr Schreien hört der, der mit den Ohren des Glaubens in einer solchen aufgegebenen Kirche steht oder in den Ruinen einer Kirche still verharrt. Ein solcher hört den Lobgesang der Steine und ihre eindrückliche Predigt über die großen Taten Gottes.

Wir nehmen den Lobpreis der Menge und der schreienden Steine auf und sie werden zu unseren, wenn wir den Einzug unseres Herrn zum Heiligen Altarsakrament sprechen. Denn singen ist uns nicht erlaubt; bedauerlich, aber nicht zu ändern. Dann wird es eben unsere Freude sein, Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, indem wir im Lobpreis vereint sprechen: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth. Voll sind Himmel und Erdreich seiner Ehre. Hosianna in der Höhe! Gebenedeit sei Marien Sohn, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Unter diesem Jubel und Lobpreis zieht der König Jesus Christus ein, damals leiblich in Jerusalem und heute realpräsentisch in unseren Gottesdienst. Damals auf einem Esel reitend, der ihn den Ölberg hinab und nach Jerusalem hinein getragen hat, heute in und unter Brot und Wein, die seinen Leib und sein Blut zu uns tragen. Wir empfangen in unseren Gottesdiensten und an unseren Altären diesen König und brechen in anbetenden Jubel über seine Heilstaten aus. Dieser anbetende Jubel über den Einzug des Königs zum Heiligen Altarsakrament erfordert Präsenz, braucht Leiblichkeit, benötigt reale Gegenwart, weil er selbst leiblich und realpräsentisch gegenwärtig ist. So begrüßt die im Namen Jesu versammelte Gemeinde den Herrn im Altarsakrament, der leibhaft in ihre Mitte tritt und mit seiner Realpräsenz gegenwärtig ist. Zugleich heißen wir ihn willkommen als den, der kommen wird. Denn wir wandern ihm entgegen, und er kommt auf uns zu.

Hineingenommen in den Lobpreis der Menge und vereint mit der Verkündigung der schreienden Steine von den großen Heilstaten Gottes wünsche ich uns eine besinnliche Passionszeit und grüße Sie herzlich als Ihr Pfarrer Markus Büttner

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