Einkehrpfarrkonvent in Wittenberg – Predigtlehre und Verhältnisbestimmung Staat – Kirche Themen Alte Lateinschule Wittenberg b


Vom 26.-28. Juni 2018 hat der Einkehrpfarrkonvent des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in der Lutherstadt Wittenberg stattgefunden. Als Tagungsort diente die „Alte Lateinschule“ (Foto) gegenüber der Evangelischen Stadtkirche St. Marien. Zunächst hörte am Dienstagvormittag der Konvent Berichte aus den Gemeinden des Kirchenbezirks. Nachmittags informierten sich die Konventualen durch Frau Kathrin Oxen im Zentrum für evangelische Predigtkultur der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Arbeit des Instituts. Anhand einer Präsentation gab sie „Impulse der dramaturgischen Predigt für die homiletische Fortbildung“. Die EKD, so Oxen, habe erkennen müssen, dass Homiletik (Predigtlehre) und Gottesdienst in der Fortbildung kaum vorkomme. Daher habe die EKD in ihrem Reformprozess, Kirche der Freiheit, aus dem Jahr 2006 mit Gründung dieses Instituts gegengesteuert. Es ließe sich ein „Schweigen über das Kerngeschäft“ Predigt und Gottesdienst in der Pfarrerschaft der EKD feststellen, da Angst vor Bewertung der Predigt vorläge. Denn gerade bei der Predigtkritik liege eine Verletzungsgefahr vor. Daher sei der Ansatz des Predigtinstituts nicht, Predigten zu bewerten, sondern sich mit den Predigern als Begleiter auf den Weg zu machen. Hierbei kritisierte Oxen auch die Ausbildung an den Evangelischen Fakultäten im Bereich der Praktischen Theologie. Die in der akademischen Welt gelehrte so genannte lebensweltliche Homiletik stehe im Gegensatz zur aus den USA kommenden new homiletics, die den Bibeltext und die Auslegen desselben im Focus habe. Im weiteren Verlauf ihres Vortrages hörten die Konventualen, dass die Predigt gestaltete Sprache sei. Eine Predigt, so Oxen, gelinge oder misslinge in der Gestaltung der Sprache. Hierbei sei auch die Rhetorik wichtig, wie die Predigt vorgetragen werde. Grundsätzlich seien die Prediger zur cura homileticia, zur pflegenden und sorgen Zuwendung zur Predigt, verpflichtet. In der konkreten Begleitung von Predigern werde gefragt, wie sie predigen wollen. Zu diesem vom Prediger selbst festgelegten Ziel werden sie begleitet. Hier gibt es verschiedene Ansätze, wie den lebensweltlichen Zugang, mit der Ausgangsfrage, wie bin ich als Prediger geworden, der ich bin? Der systematisch-lösungsorientierte Ansatz versucht ressourcenorientiert mit den Stärken und Schwächen der Prediger zu arbeiten. Im folgenden stellte Oxen einen Ablauf einer solchen Begleitung anhand von 10 Punkten vor. Anschließend wurde mit der Vortragenden rege diskutiert. Nach der Abendandacht schloss sich die Berliner Pfarrbriefbesprechung zeitgleich mit „Diasporapfarrersitzung“ an, bevor ohne festes Thema ein gemeinsamer Abend den Tag ausklingen ließ.

Am Mittwoch, dem 27. Juni, führte Prof. i.R. Dr. Werner Klän, Lübeck, in das vom Pfarrkonvent gewünschte Thema, Staat und Kirche bei Hermann Sasse und Friedrich Wilhelm Hopf, ein. Nach Einführung in Leben und Werk beider Theologen des 20. Jahrhunderts, bezeichnete Klän die Unterscheidung von Staat und Kirche als kulturelle Errungenschaft. Im Rückgriff auf die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche rief er die Zwei-Regimenten-Lehre in Erinnerung und stellte die beiden Arten von Gerechtigkeit, die passive vor Gott und die aktive vor den Menschen, vor. Auch Martin Luthers Auslegung des 4. Gebots nimmt die Verfasstheit des gesamten christlichen Lebens in den Blick. Zwar gehe es Luther um eine Gehorsamsethik, jedoch keineswegs um blinde Untertanenmentalität. Zwar sei die Obrigkeit göttlicher Stiftung, sie habe aber nicht das Recht über die Seelen zu regieren, das heißt, über das zu bestimmen, was die Menschen zu denken hätten. Hierbei denke Luther nicht im Sinne einer Individualethik, sondern in größeren Kontexten, wie dem Rechtswesen oder der Ökonomie. So sei auch die Geschöpflichkeit Grund der Menschenwürde, nicht aber die Gottesebenbildlichkeit. Die Folgen aus der Errungenschaft der Unterscheidung von Staat und Kirche sei nun, dass ein Staatskirchentum kein Modell der Zukunft sei. Denn die Gefahr bestehe, dass die Kirche sich nicht selbst „regiere“, sondern vom Staat regiert werde. Dies komme einer Aufhebung des kirchlichen Rechts gleich. So kann es aus lutherischer Perspektive keinen christlichen Staat geben, zumal er heute säkular ist. Klän sieht die Gefahr, dass der areligiöse und säkulare Staat seinerseits neue pseudoreligiöse Züge an sich nehme und neue Religiosität setze. So werden heute Begriffe wie Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit durch politische Parteien und durch Setzung von Recht religiös aufgeladen und geformt. Die Theologie sei aber eine ideologiekritische Wissenschaft, während Ideologie eine Gesellschaft über die Sprache, und auch Sprechverbote, formen möchte. Die Folge einer ideologisierten Gesellschaft mit ihrer eigenen Religiosität sei die Entstehung von Parallelgesellschaften, Milieus und „Blasen“, in denen sich Menschen flüchten. So sei es befremdlich, wie ein Konventualer meinte, dass in Deutschland Gerichte vorschreiben würden, welche Tauftheologie zu gelten habe. Wer sich der gerichtlich verordneten Tauftheologie nicht unterordne, dessen Asylantrag werde abgelehnt und die Abschiebung drohe. Ein anderer Konventualer kritisierte die Frühsexualisierung schon im Kindergarten.

Die Kirche hat ihrerseits nun nicht die Aufgabe dem Staat anzusagen, wie er die Probleme lösen solle. Gleichwohl darf er sich beratend positionieren. Eine Neutralität gegenüber dem Staat kann es für die Kirche jedoch nicht geben, auch wenn sie kein politisches Mandat habe. Wo der Staat Gottes Willen missachtet, hat die Kirche ihr Wächteramt auszuüben und hat dem Staat gegenüber auch das Gericht Gottes anzusagen. Es schloss sich ein reger Austausch auch aufgrund der aktuellen politischen Lage in Deutschland an. Nach dem Mittagsgebet und dem Mittagessen wurde der Pfarrkonvent von Frau Renate Skirl professionell durch die Schlosskirche und Schloss geführt. Der ereignisreiche Tag endete mit einem Sakramentsgottesdienst in der Kapelle der „Alten Lateinschule“, in der Pfarrer Matthias Krieser, Fürstenwalde/Spree, die Predigt hielt. Am Mittwoch, dem 28. Juni, beschäftigte sich der Pfarrkonvent neben Terminfragen und der Vorbereitung mit folgenden Konventen mit der neuen Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union und der Richtlinie über den Datenschutz in der SELK, zu denen Pfarrer Markus Büttner als Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Anmerkungen für die praktische Arbeit machte, wie Gestaltung eines Impressums für den Internetauftritt und persönlicher Daten von Gemeindegliedern in den Pfarrbriefen. Für das leibliche Wohl während der Konventstage sorgte Frau Ute Brückmann, der für ihren Einsatz herzlich gedankt wurde. Der Pfarrkonvent ging mit dem Reisesegen zu Ende. (MB)

Friedrich von Hering ordiniert

OrdinationAm 24. Juni wurde in der Evangelisch-Lutherischen Paulus-Kirche der SELK in Neukölln durch Superintendent Peter Brückmann (Berlin-Wedding | Foto: Mitte) der Vikar Friedrich von Hering (2. von rechts) ordiniert. Es assistierten die Pfarrer Edmund Hohls (Berlin-Wilmersdorf | 2. von links) und Rainer Kempe (Berlin-Neukölln | links). Mit im Bild: Pfarrer Markus Büttner (Berlin-Zehlendorf | rechts). Nach Ende seines Vikariat in Berlin-Neukölln wechselt von Hering zum 1. August als Pfarrvikar an die Evangelisch-Lutherische St. Johannes-Gemeinde der SELK in Rodenberg. (SN/MB)

 

Diaspora-Tag und Konfirmationsgedenken in St. Marien Berlin-Zehlendorf 2018 6 3 Konfirmationsjubilum komp

Am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 3. Juni 2018, feierte das Diaspora-Werk in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ihren Diasporatag in der Evangelisch-Lutherischen St. Mariengemeinde. In diesem Gottesdienst hielt der 1. Vorsitzende des Werkes, Prof. i.R. Dr. Werner Klän, Lübeck, die Predigt (Foto rechts). Ebenfalls feierte die Mariengemeinde Konfirmationsgedenken. Vorkonfirmanden aus dem jetzigen Kurs wirkten als Ministrantinnen im Gottesdienst mit. (MB)

Liberianischer Pfarrer trifft Jugendliche in Berlin-Zehlendorf2018 6 2 Pfarrer Ballah Liberia Berlin komp

Am Samstag, dem 2. Juni 2018, traf Pfarrer Gemah Ballah von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Liberia auf Jugendliche der Ev.-Luth. St. Mariengemeinde der SELK in Berlin-Zehlendorf. Er berichtete über seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. So hat er eine Schule gegründet, in die zurzeit 166 Jungen und Mädchen gehen. Auch kümmern seine Frau und er sich um Ebola-Opfer, besonders Waisenkinder. Während der Ebola-Epidemie leisteten beide Aufklärungsarbeit in den ländlichen und schwer zugänglichen Gebieten Liberias. In Planung ist ein Krankenhaus. Die Teens hatten viele Fragen an Pfarrer Ballah. Am morgigen Sonntag feiert das Diaspora-Werk der SELK in und mit der St. Mariengemeinde zunächst einen Gottesdienst, in dem Prof. em. Dr. Werner Klän, Lübeck, predigen wird, um anschließend die Mitgliederversammlung zu halten.(MB)

Pfingstcamp in Greifswald JuMiGd

Zum nunmehr dreißigsten Mal fand das „Original“ wieder im Gemeindegarten der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde „St. Otto von Bamberg" der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Greifswald statt. Und das bedeutet, dass es im nächsten Jahr mal wieder ein echtes Jubiläum zu würdigen gibt. Denn 2019 heißt es „30 Jahre Pfingstcamp in Greifswald“.

Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich knapp 50 Teilnehmern auf dem vom Jugendmitarbeitergremium und dem Jugendkoordinator Norbert Schulz (Berlin-Neukölln) vorbereiteten Kultcamp.

„Ein besonderer Dank gebührt der Bezirksjugendvertreterin Lea Keidel (Berlin-Wilmersdorf) und ihren beiden Potsdamer Stellvertretern Tristan Liebert und Peter Pfitzinger sowie unserem „Illuminator“ und Feuermeister“ Björn Köster (Berlin-Neukölln), die alle in besonderer Weise kreativ und anpackend für einen reibungslosen und genussvollen Ablauf der Veranstaltung sorgten. Mit solchen Mitarbeitern im Team macht es einfach nur Spaß!“ freut sich Schulz gegenüber selk_news. Zudem sorgte schon traditionell Kantor Georg Mogwitz aus Leipzig mit dem Camp-Jugendchor, dem Camp-Bläserchor sowie filigranem Orgelspiel im wahrsten Sinne des Wortes einmal mehr für besondere Noten in den Pfingstgottesdiensten. Pfarrer Kirsten Schröter (Angermünde, Marzahn) bereicherte mit seiner Anwesenheit sowie der Predigt am Pfingstmontag ebenso das Wochenende wie Vikar Fritz von Hering (Berlin-Neukölln) mit seiner Teilnahme, einem Workshop zum Kennenlernen kreativer und dennoch niedrigschwelliger Möglichkeiten Andachten vorzubereiten, Gitarrespielen sowie einem schweiß- und blasenförderndem Frisbeeturnier am Strand…

Die teilnehmenden Jugendlichen zwischen 10 (!) und 25 Jahren genossen die entspannte Atmosphäre beim Chillen, Grillen, am Lagerfeuer und bei den sportlichen Aktivitäten u.a. in einem Akrobatik-Workshop und dem alljährlichen Anbaden in der in diesem Jahr bereits angenehm temperierten Ostsee. Das rahmende Leitmotiv „Dankbar“ wurde immer wieder kreativ eingebracht und gelebt – in den Andachten, den Begegnungen, an der abends aufgebauten Dankbar und in der wieder einmal erlebten segensreichen und geistvollen Gemeinschaft. (MB/SN)

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