Bischof Voigt: Stellungnahme zur "Ehe für alle" 2017 6 24 Voigt c Buettner komp

Am Freitag, 30. Juni 2017, soll im Bundestag die sogenannte "Ehe für alle" beschlossen werden. Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es unter Paragraf 1353: "Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen." Künftig soll der Satz lauten: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

Homosexuelle Lebenspartnerschaften könnten damit künftig "verheiratet" sein, was auch das Adoptionsrecht einschließt. Bislang konnten sie sich nur verpartnern.

Der leitende Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), hat dazu am 29. Juni die folgende Stellungnahme abgegeben:

---------------

"Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen." (Ökumenischer Monatsspruch für den Monat Juni 2017): Stellungnahme des Bischofs der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), zur "Ehe für alle"

Nun kommt sie womöglich doch noch, die sogenannte "Ehe für alle". Als Christinnen und Christen im Land können wir zu diesem womöglich letzten großen Projekt des Bundestages vor der Bundestagswahl nicht schweigen.

Die geplante Beschlussfassung durch Änderung eines Paragrafen im Bürgerlichen Gesetzbuch verstößt gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, wo es in Artikel 6 heißt: "(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft." Die unmittelbare Verbindung von Ehe und Familie mit Pflege und Erziehung von Kindern durch ihre Eltern zeigt klar und eindeutig, dass die grundsätzliche Möglichkeit zur Zeugung von Kindern (Generativität) zur Definition von Ehe durch das Grundgesetz gehört. Dies wurde durch mehrere Urteile des Bundesverfassungsgerichts bestätigt.

Dabei steht außer Zweifel, dass der Staat die Pflicht hat, für die Gleichberechtigung seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen, was auch für homosexuell lebende Menschen gilt. Bei der "Ehe für alle" wird jedoch Ungleiches gleich gemacht, da eine homosexuelle Partnerschaft eben nicht die grundsätzliche Möglichkeit zur Zeugung von Kindern in einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft eines Mannes und einer Frau darstellt, wie diese durch das Grundgesetz definiert wird. Deshalb ist die Definition einer Ehe als lebenslange Verbindung von Mann und Frau keine Diskriminierung von homosexuellen Frauen und Männern.

In der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik heißt es: "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben." Gerade in Wahrnehmung dieser Verantwortung vor Gott und den Menschen ist der Bezug auf die "Grundordnung" des Christentums, die Heilige Schrift, immer wieder notwendig und geboten. Auch dort wird in der "Präambel" des christlich-jüdischen Kulturkreises, nämlich in der Genesis definiert: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch." (1. Mose 1,27-28). Keine Gesellschaft setzt diese "Präambel" außer Kraft, ohne schweren Schaden zu nehmen.

Es mag kein Zufall sein, dass der Monatsspruch der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen für den Monat Juni an seinem letzten Tag eine Bedeutung bekommt, von der wir noch vor einer Woche nichts ahnten: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." (Apostelgeschichte 5,29) Ja, demokratisch beschlossene Gesetze haben natürlich auch für lutherische Christinnen und Christen eine unbedingte Gültigkeit. Jedoch hat jede staatliche Ordnung ihre Grenze an der Gewissensbindung des Einzelnen an Gott. Auch Mehrheiten können irren, dies sollten wir nicht vergessen. So wird die sehr einfache Wahrheit, dass bis zum Ende der Zeit ein Mann und eine Frau zusammenkommen und ein Kind zeugen, am besten natürlich in lebenslanger Liebe und Verantwortung füreinander, durch kein Gesetz der Welt abzuschaffen sein.

Hirtenwort von Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover) zum Thema Ehe und Familie als Gaben Gottes entdecken (Gedenktag Heimsuchung Mariens - 2. Juli 2013)

Beichtgottesdienst in der Stadtkirche in Wittenberg aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017 6 24 Voigt Buettner komp
"Was bleibt, ist Freude in Christus!" Mit diesen Worten beendete der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), die Ansprache im Beichtgottesdienst, den die SELK am Tag Johannes des Täufers im Rahmen ihrer Feierlichkeiten zum Gedenken an "500 Jahre Reformation" in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg feierte.

Gäste waren aus dem ganzen Bundesgebiet und aus befreundeten lutherischen Kirche nach Wittenberg gekommen, um in einem Beichtgottesdienst in der sehr gut gefüllten Predigtkirche Martin Luthers das zu erfahren, was für diesen Inbegriff der frohen Botschaft war: den Zuspruch der Vergebung um Christi willen - ohne menschliches Zutun.

In der Predigt, die Voigt als eine "Predigt-Bergwanderung" gestaltete, bei der der biblische Text (Die Bibel: Jesaja, Kapitel 40, Verse 1-8) immer neue Facetten preisgab, erinnerte Voigt so an einen Ausspruch Luthers, nach dem er lieber alles verloren hätte als die Beichte. Am Beispiel einer Sprengung für einen Autobahnbau veranschaulichte der SELK-Bischof die Kraft, den die Vergebungsworte haben, durch die alle Berge menschlicher Schuld pulverisiert werden und die somit eine das Leben umwandelnde Kraft besitzen: "Und auf diesen Trost der Vergebung folgt die Freude in Christus, die unser Leben hell und froh macht. Mit der Beichte nimmt auch die Versöhnung in unseren Familien ihren Anfang. Mit Beichte und Vergebung beginnt auch die Versöhnung der Kirchen. Mit der Beichte beginnt Reformation. Was bleibt, ist Freude in Christus!"
Dass die Kirche, die aus dem in der Reformation wiederentdeckten Evangelium lebt, keine bloß deutsche Angelegenheit ist, war außer an der Anwesenheit internationaler Gäste auch daran erkennbar, dass an einem der Absolutionsorte die Vergebung den vielen anwesenden farsisprechenden Christen in ihrer Muttersprache zugesagt wurde.

Am Gottesdienst wirkten neben Bischof Voigt Propst Klaus-Peter Czwikla (Spiesen-Elversberg), Propst Gert Kelter (Görlitz), Propst Johannes Rehr (Sottrum), Pfarrer Dr. Gottfried Martens (Berlin-Steglitz), Prof. Dr. Christoph Barnbrock (Oberursel) und Vikar Diedrich Vorberg (Görlitz) sowie Jugendliche aus verschiedenen SELK-Kirchenbezirken mit, die an diesem Wochenende am "Luther 500-Festival" teilnehmen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Kantor Georg Mogwitz (Leizpig) vorbereitet und von ihm gemeinsam mit dem Chor "Ostinato" ausgestaltet. Die Kollekte war für den Gemeindegründungsfonds der SELK bestimmt und erbrachte deutlich über 3.000 Euro. (SN/MB)

Evangelisch-Lutherische Gemeinde Berlin-Mitte: h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach aufgeführt Gemeinde Mitte ab
Im Rahmen des Festwochenendes der SELK aus Anlass des Gedenkens an „500 Jahre lutherische Reformation“ fand am 24. Juni in der Kirche der Gemeinde Berlin-Mitte die Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach durch einen gesamtkirchlichen Projektchor und das Orchester Nord der SELK statt. Es sei eine „hervorragende Aufführung“ gewesen, urteilten dankbar Besucher der geistlichen Musik. Die Leitung hatten die Kantorinnen Nadine Vollmer (Niedenstein-Wichdorf) und Antje Ney (Hanstedt/Nordheide). (SN/MB)

Vielfalt wertschätzen, "Machtworte" finden, fromm leben - Wochenende zum Reformationsgedenken Podium Wilmersdorf 2017

Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Chancen und Herausforderungen für die lutherische Kirche im 21. Jahrhundert" hat gestern Abend in der Kirche Zum Heiligen Kreuz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Wilmersdorf das Festwochenende der SELK anlässlich des Reformationsgedenkens begonnen.

In dem von Kirchenrätin Doris Michel-Schmidt (Merenberg) moderierten Gespräch hatten die Teilnehmenden zunächst Gelegenheit, in Kurzvorträgen eigene Impulse zum Thema zu geben, um dann im Anschluss untereinander und mit den Gästen des Abends in einen Austausch zu kommen.

Dr. Silja Joneleit-Oesch (Frankfurt/Main) plädierte in ihrem Kurzvortrag dafür, die zunehmende Säkularisierung auch als Chance zu begreifen und die Kompetenzen wahrzunehmen, die eine staatsfreie lutherische Kirche wie die SELK in diesem Kontext einzubringen habe. Weiterhin trat sie dafür ein, die Vielfalt innerhalb des Weltchristentums auch als Schatz zu begreifen. Für den Weg der SELK warb sie dafür, sich als "moderne traditionsbewusste Kirche" zu verstehen.

Kirchenrat Erik Braunreuther (Dresden) rückte die Sprachnot der Kirche in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Er formulierte als Aufgabe für die Zukunft, im Anschluss an Luther erneut "Machtworte" zu finden, die Menschen in ihren lebensweltlichen Zusammenhängen ansprechen und berühren. Probeweise stellte er Überlegungen an, das Phänomen "Sünde" mit dem Begriff "Offline" als Menschen umtreibenden Beziehungsabbruch zu plausibilisieren.

Präses Dr. Robert Bugbee (Winnipeg) von der Lutherischen Kirche-Kanada, einer Schwesterkirche der SELK, formulierte die Überzeugung, dass Kirchen immer nur so stark sein könnten wie ihre Gemeinden. Gerade deswegen gelte es, "biblischem Analphabetismus" entgegenzuwirken und in Gemeinde und Pfarrerschaft eine neue Frömmigkeit zu entwickeln.

Prof. Dr. Werner Klän, Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel, hatte zuvor mit Kirchenrätin Michel-Schmidt das diesjährige Reformationsjubiläum theologisch und kirchengeschichtlich eingeordnet und dafür geworben, das Erbe des lutherischen Bekenntnisses mutig und rechenschaftsfähig in die Diskussionen der Gegenwart und Zukunft einzutragen.

In den sich anschließenden Gesprächen wurde immer wieder deutlich, dass das Umsprechen des konfessionellen Erbes in diese Zeit und Welt eine der besonderen Herausforderungen für die lutherische Kirche im 21. Jahrhundert darstellt. Wie dies gelingen kann, machte im musikalischen Programm des Abends das Duo "Ad Hoc" aus Leipzig deutlich, indem es mit jazzigen Improvisationen altbekannte Choräle in ganz neuer und doch auch vertrauter Weise zum Klingen brachte. (SN/MB)

Fast 1000 Besucher sahen "Was bringt uns die Reformation?" in ZehlendorfBuchausstellung a Zehlendorf komp

Unter dem Titel "Was bringt uns die Reformation?" war die Evangelisch-Lutherische St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf mit einer Ausstellung zwei Monate lang im Zehlendorfer Heimatmuseum präsent. Sie stellte bibliophile Kostbarketen aus 500 Jahrhunderten aus, die vorher schon im gemeindeeigenen Kirchraum zwei Wochen lang gezeigt worden waren und von nahezu 140 Besuchern gesehen wurden. Die Museumsleitung wurde von dem öffentlichen Interesse und der Besucherzahl überrascht. Zur Eröffnung war Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski gekommen. Am Ende konnte man 792 Besucher im Heimatmuseum zählen. Die Ausstellung, aus Privatbesitz bestückt, darunter mit seltenen Originaldrucken aus Luthers Lebzeiten, geht im September nach Potsdam, dann nach Berlin-Mitte, Fürstenwalde, Berlin-Wilmersdorf und Berlin-Wedding. (SN/MB)

SELK


 

 

Superintendentur


 

Superintendent Peter Brückmann

Usedomer Straße 11

13355 Berlin

Telefon: 030-92 36 12 66

wedding@selk.de