Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lukas 15,10

Die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsfest werden am 31. Oktober zu einem gewissen Höhepunkt kommen. Am 31. Oktober soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Aber das ist bekanntlich – fake news – eine Falschmeldung. An die Tür hat Luther gewiss nichts genagelt. Gleichwohl hat er aber seine 95 Thesen veröffentlicht, dessen Kern das Thema der Buße aufgreift. Die evangelisch-lutherische Reformation sachgemäß verstehen zu wollen, heißt daher, die Reformation im Licht von Buße und Beichte zu sehen. Es geht dem Reformator Martin Luther genau um das, was Jesus im Gleichnis vom verlorenen Groschen erzählt und dessen Schluss der Monatsspruch für Oktober ist: Buße!

Wer kennt nicht diese Sorge, wenn man sein Portemonnaie verlegt hat, mit Ausweisdokumenten und Geld. Dann fängt man an zu suchen. Erst an den Stellen, wo man die Geldbörse immer ablegt, dann geht man in Gedanken durch, wo man gewesen ist, sucht an anderen Stellen: Vielleicht ja heruntergefallen? Oder doch noch in der Jacke? In der Hose vielleicht? Alles wird abgesucht. So auch diese Frau aus der Beispielgeschichte, die Jesus erzählt. Sie zündet in ihrem Haus ein Licht an. Mithören dürfen wir eine Textstelle aus der jüdischen Auslegungstradition, die uns das, was Jesus erzählt verdeutlicht. Derjenige, der im Gesetz Gottes forscht, gleicht einem Menschen, der, wenn er ein Wertstück verloren hat, viel Lichter und Lampen entzündet, bis er es wiedergefunden hat. So macht es die Frau. Sie fegt auch das Haus aus. Denn dann klimpert es auf dem Boden. Sorgfältig sucht sie alles ab. Als sie fündig geworden ist, freut sie sich darüber und teilt die Freude mit ihren Freunden und Nachbarn. Nachvollziehbar ist diese Freude. Denn wenn wir nach langem Suchen unser Portemonnaie gefunden haben, sind wir erleichtert und froh. Eine Geschichte aus dem Alltag, die uns Jesus erzählt. Jesus Christus überträgt diese alltägliche Begebenheit auf die Freude bei Gottes Engeln – sie freuen sich, weil Gott sich freut – über einen Sünder, der Buße tut. Sünde(r), Buße, Gott – alles das, was wir kennen. Wirklich?

Ein Sünder ist einer, der nicht in der Gemeinschaft mit Gott und dem Nächsten steht. Der Sünder hat Gott und dem Nächsten die Gemeinschaft aufgekündigt, weil er nach seinen Maßstäben lebt und nicht nach dem, was Gott in seinen Geboten als Freiheit, aber auch als Grenze, gegeben und gesetzt hat. Sein Wille steht über dem, was Gott geordnet hat. So geht der Sünder selbstbestimmt seinen Weg, ab- und jenseits der Gemeinschaft mit Gott, im Wahn und der Überheblichkeit sein zu wollen wie Gott. Wohin diese gottgleiche Überheblichkeit führt, zeigen Biographien von Menschen, Gesellschaften und Staaten. Menschen, die sich verrennen, nur noch sich und ihren Vorteil sehen, Gesellschaften, die nicht mehr die Verantwortung vor Gott und den Menschen sehen, sondern verantwortete Freiheit in ein grenzenloses und ausuferndes alles geht, was gefällt, verkehrt, Staaten, die aus Unrecht Recht machen und aus Recht Unrecht. Wer Gott verbannt und ihm die Gemeinschaft aufkündigt, der ist auf sich selbst geworfen und verkrümmt, verkümmert, vergeht. Der Sünder hat seinen Kompass verloren, der ihn durch diese Zeit führt. Das Koordinatensystem des Lebens ist durch die Sünde durcheinandergekommen, sodass der Sünder das Ziel – die ewige Gemeinschaft – aus dem Blick verliert, zu einem Suchenden wird, der durch das Leben irrt. Er geht unterwegs verloren. Das Leitsystem des Sünders endet nicht nur im Nichts, sondern im Abgrund. Sünde und Sünder bilden eine unheilvolle Symbiose, aus die sich der Sünder allein nicht befreien kann. Er ist dem Tod geweiht. Weil es keine Solidarität der Sünder gibt – denn es geht ja stets darum dem eigenen Willen zu folgen –, bleibt dem Sünder nur die Vereinsamung und die Knechtschaft unter die Sünde. Als einsam Vereinzelter ist er beziehungslos und verloren unter der Sünde, die ihn in den Tod führt.

Doch Gott möchte Gemeinschaft mit dem Sünder, ist bestrebt ihn wieder gemeinschaftsfähig mit sich und dem Nächsten zu machen. Gottes Wille ist, dass der Sünder lebt. Sein Antrieb und seine Motivation ist die Liebe. Diese Liebe Gottes setzt ihn selbst in Bewegung durch die Sendung seines Sohnes Jesus Christus. Es ist eben diese Liebe, die ihn im Stall zu Bethlehem Mensch hat werden lassen, die ihn hat leiden, und am Kreuz auf Golgatha für unsere Sünden hat sterben lassen, die ihn hat auferstehen lassen. Gottes Liebe in Jesus Christus soll sein Ziel erreichen. Der Sünder soll zurück in die Gemeinschaft mit Gott gerufen werden. Damit der Sünder wieder in die Gemeinschaft mit Gott zurückfindet, braucht es die Buße – die Umkehr – die Kehrtwendung im Leben. Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?, wird Paulus in seinem Brief an die Römer fragen (vgl. Römer 2,4b). Gottes Güte ist das Leitsystem, das den Sünder wieder zurück in die Gemeinschaft mit Gott und dem Nächsten führt. Wer das Leben sucht, findet es bei Gott. Ein Sünder, der sich durch Gottes gütiges Leitsystem in seine Gemeinschaft zurückführen lässt, wird durch Gottes Vergebung gemeinschaftsfähig. Auch wenn es Gottes gütiges Leitsystem ist, dass den Sünder zurückführt, ist diese Rückführung durchaus für den Sünder mit schmerzhaften Einsichten, Loslösung von Liebgewordenem und Trennung von der Sünde verbunden. Denn die Symbiose mit der Sünde wird durch Gottes Vergebungswort aufgehoben und aufgelöst. Das sündhafte Beharren auf seinem Willen, seinem Lebensentwurf, seinen Maßstäben endet. Es zählt fortan Gottes Wille, seine Gebote, seine Maßgabe des Lebens. Wer sich von Gottes Leitsystem durch die Buße in die Gemeinschaft mit Gott leiten lässt, wird Freude hervorrufen. Es ist die Freude darüber, dass ein Sünder wieder zurückgekehrt ist in die Gemeinschaft mit Gott. Hierüber freut sich Gott und mit ihm die Engel. Die Freude der Buße lässt aufatmen. Mancher wird es kennen, wenn man nach einem Streit wieder versöhnt ist. Wo Versöhnung ist, da ist Friede. Wo Friede ist, ist Leben in der Gemeinschaft mit Gott und dem Nächsten.

Nicht ohne Grund hat Martin Luther daher vor 500 Jahren die Buße zum Inhalt seiner Verkündigung gemacht. Stellen wir daher auch Buße und Beichte nicht nur zu diesem besonderen Reformationsfest ins Zentrum, sondern alle Tage unseres Lebens. So können wir fröhlich Reformationsfest feiern.
Herzlichen Gruß – Ihr Pfarrer Markus Büttner

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